Im Interview: Jasmin Tank

Von Marcel /

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Es gibt Menschen in Deinen Social-Media-Kanälen, die begleiten Dich über Jahre. Sie sind ähnlich gestrickt, die gleiche Liebe für die Musikszene, sozial engagiert und charakterlich einzigartig.

Irgendwann trifft man sich endlich persönlich, all die persönlichen Einschätzungen werden bestätigt und man möchte solch wunderbare Freunde nicht mehr missen.

Jasmin und Markus gehören zweifelsohne dazu und ich freue mich ganz besonders, dass Jasmin sich für unsere Interviewreihe ein wenig Zeit genommen hat.

Hallo Jasmin, ich freue mich wirklich sehr; dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Für alle, Die Dich noch nicht kennen sollten, eigentlich unvorstellbar, dass es da noch jemanden geben sollte, stell Dich doch einmal kurz vor.

Oha, ich denke da gibt es eine ganze Menge Menschen

Ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und bin wegen der Liebe vor 7 Jahren in das schöne Bochum gezogen. Dazu bin ich eine stolze Bonus-Mama einer inzwischen erwachsenen Tochter.


Wenn man Dich auf Konzerten bzw. Veranstaltungen begegnet, fällt einem immer deine außergewöhnlichen, großartigen Looks auf! Du erfindest Deinen Look immer wieder neu. Kannst Du uns erzählen, wie Deine Looks entstehen, oder wie lässt Du Dich inspirieren?

Och, so außergewöhnlich sind die doch gar nicht! Ich mache einfach, worauf ich gerade Lust habe. Außerdem habe ich große Freude daran meine Accessoires selbst herzustellen oder zu veredeln. YouTube hat massig Anregungen parat, ich schaue unfassbar gern Tutorials aller Art an und werkel dann einfach drauf los.

 

Ihr habt „Gräueltaten“ im Jahr 2019 gegründet. Was gab den Anstoß, wir machen das jetzt? Und wie kam es zu dem Namen?

Ich hab schon immer gern gebastelt, mag außergewöhnliche Dekostücke und Accessoires, da schöne Dinge aber meist zurecht einiges kosten und ich noch nie wirklich gut bei Kasse war, hab ich schon lange nahezu alles selbst hergestellt. 

Um unsere Hochzeitskasse zu füllen, haben wir dann gemeinsam angefangen gezielt Dinge für den Verkauf herzustellen und somit musste dann auch ein Gewerbe her.

Da unsere Kunstwerke alle etwas düster und Morbide daherkommen, sollte dies auch der Name widerspiegeln. Wir haben recht lang darauf rumgedacht, alle Favoriten auf Facebook gepostet und abstimmen lassen. Ich war aber es froh, dass es Gräueltaten geworden ist, denn innerlich hatte ich mich längst entschieden, nur mein Mann Markus war noch skeptisch ;-)

Äußerst beliebt sind bei euch auch die Christbaumkugeln, sei es in Form von Fledermäusen, Katzen und diversen Logos sowie auch in Sonderanfertigungen für den De/Vision Fanclub 😉. Was sind denn eure persönlichen Lieblingsstücke? Gibt es da vielleicht auch etwas „Unverkäufliches“?

Ich mag unsere Fledermäuse immer noch am liebsten, auch wenn sie in der Herstellung am meisten Zeit fressen. Sie sind einfach zuuu niedlich!  Aber mein absolutes Steckenpferd sind inzwischen Tischlampen, das macht mir am meisten Spaß.
Es gibt aber tatsächlich etwas, was ich niemals verkaufen würde. Ein kleines Häuschen aus Pappe, eine Woche habe ich daran gearbeitet, mich mehrfach mit der Heißklebepistole verbrannt, viel geflucht, aber ich liebe es heiß und innig.

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Wie lasst ihr euch inspirieren und wie kann man sich den Arbeitsablauf vorstellen, wenn ihr etwas Neues fertigt?

Manche Ideen sind einfach da, in der Regel sehe ich eine alte Lampe, oder ein kleines Möbelstück und dann gehe ich automatisch im Kopf durch, was man daraus machen könnte, wie könnte es mal aussehen?  Das ist inzwischen schon fast zwanghaft ;-)

Ich mag es einfach nicht wenn Dinge einfach weggeschmissen werden, die noch gut, aber aus der Zeit gefallen sind. Upcycling ist mir eine Herzensangelegenheit!

 

Kurz nach eurer Gründung kam die Pandemie. Konzerte, Veranstaltungen und Märkte sind weggefallen. Wie war für euch persönlich diese Zeit? Wie habt ihr diese Zeit kreativ genutzt?

Geschäftlich eher weniger, denn gesundheitliche Probleme von Markus standen zeitgleich im Vordergrund. Allerdings habe in Zeit allein (während Markus im Krankenhaus und Reha war) für größere Projekte genutzt. Da sind große Schaukelpferde gepimpt worden und eigene Möbelstücke wurden komplett überarbeitet.
Und dann wurde plötzlich nur noch genäht... dazu später mehr.

 

Ein weiteres Herzensprojekt ist der Verein Stadttauben Bochum e. V. Erzählt uns doch bitte etwas über eure Arbeit hierfür.

Oh ja, seit ungefähr fünf Jahren bin ich mit vollem Herzen dabei. Markus und ich sind inzwischen sogar im Vorstand des Vereins.  In erster Linie kämpft der Verein für den Erbau von Taubenhäusern, um den Bestand der Stadttauben tierschutzkonform zu regulieren, aber natürlich pflegen wir erkrankte Tiere oder ziehen Küken groß, die es nicht allein schaffen. Markus und ich haben inzwischen sogar einen eigenen Schlag mit rund 100 Tieren, die wir versorgen. Allein in diesem Schlag wurden innerhalb eines Jahres 500 Eier gegen Attrappen getauscht und somit viel Tierleid verhindert. Der Verein an sich tauschte mehrere tausend Eier in den vergangen Jahren.  Also sollten uns eigentlich sogar „Taubenhasser“ unterstützen wollen

Ihr seid neben dem Tierschutz auch sozial sehr engagiert. Dank eurer großartigen Hilfe konnte ich auch einige meiner Projekte realisieren. Wo wir gerade dabei sind, ich bestell direkt mal wieder 100 Fledermaus-Ostereier…haha, Spaß beiseite. Ihr habt 2020 auch Mundschutzmasken gefertigt und sogar kostenlos verteilt! Wie wichtig ist für euch generell soziales Engagement?

Du und Deine Ostereier… ;-) Wir unterstützen Dich immer wieder gern, weil Du so unfassbar tolle Arbeit leistet, danke dafür!
Man soll halt helfen wo man kann, sehe ich jedenfalls so. Als die Pandemie kam und Masken gebraucht wurden, habe ich meine Nähmaschine vom Staub befreit, mir Anleitungen und Stoff besorgt und einfach losgelegt. Da ansonsten eh nichts mehr anstand, kamen wir auf die Idee einfach auch Masken für andere zu nähen. Das Ganze hat sich dann recht schnell verselbstständigt, und endete damit, das zwei Maschinen gleichzeitig ratterten, damit wir alle Bestellungen erfüllen konnten. Niemals kam uns in den Sinn, dafür Geld zu verlangen! Waren aber sehr froh, dass wir durch großzügige Spenden entlastet wurden, um immer ausreichend Material bestellen zu können. Das war ein tolles Miteinander, was ich in der Form nicht missen möchte, auch wenn es extrem anstrengen und auch belastend war.

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QAnon, Fridays for Future, Corona Pandemie, Ukraine Krieg und noch so vieles mehr bewegen uns Alle! Leider sind auch einige Leute abgedriftet, teilen skurrile Denkweisen. Auch bekannte Künstler kommen mit durchgeknallten Thesen daher. Was denkt ihr über solche Leute, bzw. was würdet ihr Ihnen einmal persönlich sagen?

Ganz ehrlich? Ich würde ihnen gern sagen: „halt einfach die Schnauze, Du machst mich krank!“ Da ich aber gut erzogen bin (höhö) mache ich das natürlich nicht. Inzwischen ignoriere ich so etwas einfach. Anders bei Menschen, die mir in irgendeiner Weise am Herzen liegen, aber da suche ich das Gespräch unter vier Augen und trage solche Konflikte nicht in der Öffentlichkeit aus.

 

Jasmin, ihr macht so unendlich viel, Du hast immer 1000 Ideen und Pläne. Kannst Du auch mal 5e gerade sein lassen und auch mal richtig zur Ruhe kommen?

Das fällt mir in der Tat schwer und ich bin inzwischen auch nicht mehr ganz gesund, was das betrifft, muss ich noch viel lernen, bin aber guter Dinge.

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Was war das Schönste, das mal jemand für Dich gemacht hat?

Da fällt mir spontan etwas ein. Freunde von mir wollten zu einem Festival in Warschau reisen. Ich hatte große Lust, war aber kurz nach meiner Trennung von meinem Expartner unfassbar pleite und auch mental recht am Ende.  Da hat man mich einfach eingeladen und mitgenommen, ich musste mich um nichts kümmern. Das war eine unfassbar schöne Erfahrung und tat unendlich gut. Das werde ich niemals vergessen und hoffe das ich das gleiche irgendwann man für jemand anderes machen kann.

 

Du hattest dir kürzlich eine Auszeit genommen. Hand aufs Herz, bei deiner Kreativität, hast du schon Pläne für deine Zukunft?

Man kann Kreativität nicht erzwingen, und das ist auch ok so. Ich werde achtsamer und wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht. Gräueltaten muss mir Spaß machen, denn weder Markus noch ich leben davon. Wenn man das erstmal verstanden hat, dann macht es auch wieder Spaß und dann läuft es auch.

 

Jasmin, ich danke Dir für das tolle Gespräch! Ich wünsche Dir und Markus alles Liebe und verzaubert uns weiterhin mit euren zauberhaften Accessoires und Ideen.

Ich danke dir für die Möglichkeit, auch wenn ich immer noch denke, dass es niemanden interessieren wird,

Da wette ich dagegen

 

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Fotos:

Jasmin Tank

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