Im Interview: Paddy
Hey Paddy, es ist endlich soweit! Ich freue mich riesig, dass Du bei den Dingen hier mitmachst! Legen wir doch gleich mal direkt los. In unseren Interviews geht es auch ganz viel um Musik, Konzerte und Freundschaften. Wenn du so zurückdenkst, wie hat das alles so angefangen bei dir mit der Liebe zur Musik und wie hat sich das so über die Jahre entwickelt?
Hi Marcel, gerne mache ich mit. Eigentlich startete alles mit einem Album: „Autobahn“ von Kraftwerk. Meine große Schwester nannte das Album ihr Eigen. Allerdings waren die Eigentumsverhältnisse schon bald andere. Ich habe ihr das Album schlicht geklaut. Frage mich aber bitte nicht, wie alt ich da war. Recht klein muss ich da noch gewesen sein. Zack, meinen Namen draufgekritzelt und schon war es meine. So einfach ging das damals. Meine Mutter ist bis heute davon überzeugt, dass sie mir die Platte gekauft hat. Normal, steht ja auch mein Name drauf.
Eigentlich betrat ich so richtig erst durch meinen Onkel die Leidenschaftsabteilung der Musikhörer. Er hatte damals alle Maxis (SuperSoundSingles hießen die da noch) und LPs von Hot Chocolate, Cameo, James Brown und Co. Cameo höre ich noch heute für mein Leben gern. Seine Musik war klar Funk/Soul/Rap geprägt. Wie gesagt, das muss alles so um 1978 gewesen sein. Da war ich 6. Und er war es auch, der mich anfixte.
An Kraftwerk faszinierte mich der Rhythmus. Der treibende, sich immer wiederholende kühle Sound.
Doch es waren Künstler wie Whodini (ab 1982), Grandmaster Melle Mel, Cameo und Grandmaster Flesh, die mich interessierten. Das war zu der damaligen Zeit recht ungewöhnlich, für einen blassen, dicklichen Jungen aus Dortmund-Lichtendorf. Ich erinnere mich, dass mein Klassenkamerad Thorsten von seinem Vater eine Reinhard May Platte geschenkt bekommen hatte. Ich fand das gar nicht schlecht. Die haben wir zusammen gehört und währenddessen Reibeplätzchen gegessen. Zum Glück bin ich da nicht hängengeblieben. Beim Reinhard jetze. Reibeplätzchen esse ich noch immer.
Und so hörte ich im Laufe der Jahre eher Bands wie Public Enemy, Afrika Bambaataa und natürlich später die Beastie Boys.
Ich muss hier mal einen Cut machen. Glaube ich. Sonst erzähle ich noch Tage so weiter. Depeche Mode höre ich bewusst erst seit „People are People“. Als dieser Song immer zu der Berichterstattung von den Olympischen Spielen in Los Angeles gespielt wurde. 1984 war das. Ich war hin und weg von dem Song. Also bin ich in den Laden und habe mir diese grün-marmorierte 12“ gekauft. Was mich aber erst richtig umhauen sollte, war die B-Seite. In Your Memory. Noch heute einer meiner absoluten Favoriten. Ich habe also vieles von Depeche Mode eher aus der Retrospektive kennengelernt. Seitdem bin ich Fan.
Was hörst du aktuell an Musik? Was darf in keiner Playlist fehlen.
Aktuell höre ich Depeche Mode in Rotation. Priest habe ich für mich entdeckt. Ansonsten meine 80er HipHop-Playlist. NewOrder und Erasure sind bei mir ebenfalls immer hoch im Kurs. Im Moment lebe ich musikalisch wirklich eher in der Vergangenheit.
Das Schlimmste, was an Musik jemals veröffentlicht wurde?
Oh, das ist eine wirklich schwere Frage. Weil ich mir das gar nicht anmaßen möchte. Die Frage müsste eher lauten: Welche Musik magst Du nicht? Dann hätte ich bestimmt geantwortet: Ich habe mal eine Karte für das Dortmunder Opernhaus geschenkt bekommen. Das war eine Aufführung, da stand ein Typ in Leggins in einem Quader und hat sich immer gegen die Wände geschmissen. Dazu erklang Vogelgezwitscher, Trompeten und eine Tuba hat auch gerülpst. Also wenn das Musik sein sollte, dann kann ich sagen, dass ich die nicht mag. Politisches Tanztheater oder so.
Stichwort Depeche Mode, die wenigsten hätten zuletzt wohl damit gerechnet, dass die Jungs nochmal ein neues Album raushauen und auf Tour gehen. Deine Gedanken hierzu?
Vorweg: Ich bin sehr glücklich mit dem Album. Es hat in mir seit sehr langer Zeit wieder dieses Depeche Mode Gefühl ausgelöst. Wirklich gerechnet hatte ich damit nicht. Gerade nach Fletchers Tod. Ich freue mich natürlich, dass sie auf Tour gehen. Doch wenn ich ehrlich bin, gehören Depeche Mode Konzerte schon seit 20 Jahren nicht mehr zu meinen Konzert-Highlights und so kommt es auch, dass ich nur ein Konzert besuchen werde.
Du bist auch ein großer Fan der Filmkunst. Dein Wissen ist außergewöhnlich! Erzähl uns doch ein wenig, du weißt schon. Wie fing das an mit der Zuneigung für Filme, der größte Kackfilm ist…und so weiter.
Ich glaube, das fing gar nicht so besonders an. Ich interessiere mich nur halt für alles, was mit Film zu tun hat. In erster Linie Horror und Science-Fiction Filme. Und so kommt es, dass man halt hier und da etwas behält. Ich besuche auch regelmäßig Ausstellungen. Kubrick, De Palma und Co. Es ist ein Hobby. Mein absoluter Lieblingsfilm ist BladeRunner, gefolgt von Alien. Man merkt: ich verehre Ridley Scott. Auch da sind es gerade die 80er Jahre, die mich besonders interessieren. John Carpenter, Wes Craven, Clive Barker, David Lynch, David Cronenberg. Aber auch italienische Gallo Sachen. Und sogar Steven Spielberg. Kackfilm? Weiß ich auf Anhieb gar nicht. Vielleicht diese Twilight Reihe. Die sind schon amtlich kacke. Weil sie sich so schrecklich ernst nehmen.
Wer dich kennt weiß das du auch leidenschaftlicher Sammler von speziellen Sammelobjekten, Funko Pop Figuren und Raritäten aus den 80ziger Jahren. Erzähl uns doch ein wenig über deine Sammelleidenschaft.
Das ist so ein nostalgisches Ding. Ich habe früher sehr viel Spielzeug besessen. Und wenn ich Früher sage, dann meine ich die Ende 70er/80er Jahre. Meine Eltern waren nicht sonderlich reich. Eher im Gegenteil. Ich habe mir das meiste selbst gekauft. Ich habe Zeitungen ausgetragen und in der Nachbarschaft gejobbt. Autos gewaschen und so. Auf dem Wochenmarkt mitgeholfen die Stände auf- und abzubauen. Was man halt als Knirps so für 2 Mark gemacht hat.
Mit der Zeit sind die Dinge alle verloren gegangen. Wurden verschenkt oder weggeschmissen. Vor ungefähr 15 Jahren hatte ich dann die Idee, mir ein 80er Jahre Zimmer einzurichten. So fing es an. Röhrenfernseher, Videorecorder, Ghettoblaster, Wählscheibentelefon (grün), Atari Spielekonsole, VHS-Kassetten und natürlich meine alten Spielsachen. Und so habe ich versucht (und versuche es noch immer) alle meine alten Spielsachen wiederzubeschaffen. Dazu kommt dann auch immer was Neues, was von heute ist, mich aber in diese wundervolle Zeit erinnert. So kommt es, dass ich praktisch alles sammele, was mich mit den 80er Jahren verbindet. Funkos mit Figuren aus diesem Jahrzehnt, Lego Raumschiffe aus der Zeit. Alte Spiele wie Flottenmanöver oder Mastermind. Captain Future Panini-Sammelheft etc.
Und mittlerweile ist aus dem einen Zimmer ein zweites geworden 😉
Du bist auch staatlicher geprüfter Freizeitpark-Tester. Welchen Park muss man unbedingt erlebt haben, wo bekommt man die beste Preis/Leistung?
Hahaha. Ja genau. Ich bin quasi selbst zum Freizeitpark geworden. Ich versuche mal ein paar Tipps zu geben. Es kommt auf folgendes an: Mit oder ohne Übernachtung? Mit Kleinkindern oder schon größere Kinder?
Der wohl beste Park in Deutschland, und das sehe ich bei weitem nicht allein so, ist der Europapark in Rust. Das ist schon sehr großes Kino, was da geliefert wird. Die Anzahl und Qualität an Attraktionen suchen ihres gleichen. Und er ist tatsächlich für alle Altersgruppen geeignet. Aber: Er ist auch mit Abstand der teuerste Park. Und das nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Sein großes Manko: Es gibt keine zu buchenden Arrangements. Hotel und Tickets müssen einzeln gekauft werden. Das haut ins Geld. Die Verpflegung im Park ist exorbitant überteuert. 3 Tage sollte man aber Minimum einplanen.
Das beste Preis-/Leistung-Verhältnis sehe ich im Heidepark in Soltau. Dort gibt es fast immer 2 für 1 Angebote. Im Dezember/Januar gibt es regelmäßig Rabatte für das Abenteuer-Hotel für das kommende Jahr zu buchen. Auch hier sehe ich alle Altersgruppen vertreten. Die Verpflegungskosten sind für einen Freizeitpark moderat. 2 Tage reichen hier.
Das Phantasialand in Brühl ist immer eine Reise wert. Sehr teuer. Dafür ist man in einem Tag durch. Weniger für Kleinkinder geeignet. Sehr tolle Thematisierungen. Mittlerweile 61 Euro Eintritt. Puh.
Movie Park in Bottrop/Kirchhellen: Nichts für Kleinkinder. Gibt immer Angebote. Dafür eher Kirmescharakter als Freizeitpark.
Fort Fun im Sauerland: Kleinkindgeeignet. Größere Kinder können aber auch schnell Langeweile bekommen. Aber für einen Familienausflug absolut geeignet.
Meine Empfehlung? Disneyland Paris. Schweineteuer in der Verpflegung. Allerdings gibt es hier sehr gute Arrangements zu buchen und außerhalb der Ferien absolute Schnäppchen. Da lohnt es sich immer mal wieder zu schauen.
So, dass wird jetzt hier zu viel. Wenn jemand Fragen hat. Gerne PN Hahahaha.
Facebook und Co verbindet viele von uns, oft aber sind die Plattformen auch ein Fluch. Was läuft deiner Meinung nach schief bei den ganzen Social-Media-Kanälen, was müsste passieren damit das ganze wieder einigermaßen funktioniert?
Ich weiß es gar nicht. Ich gebe auch gerne zu, dass ich oftmals ohnmächtig und ungläubig davorsitze und mir nur denke, dass jetzt alle durchdrehen. Vielleicht müsste Facebook stärker kontrolliert werden. Viele sagen, dass Social Media nicht die Realität ist und sich das Leben „draußen“ abspielt. Freunde, es ist 2023. Social Media gehört zu der Realität dazu und ist ebenso ein Spiegel der Gesellschaft, wie der Querschnitt im Allgemeinen. Ich denke, es fehlt die nötige Konsequenz. Auch Wörter sind Taten. Und für seine Taten sollte man Konsequenzen spüren. Positiv wie negativ. Deshalb wäre ich für eine stärkere Kontrolle. Ja.
..und dann gibt es das noch einige bekannte Künstler, die die Kanäle nutzen, um ihre skurrilen Gedanken zu teilen. Was denkst Du über solche Leute, bzw. was würdet du ihnen einmal persönlich sagen?
Eine sehr gute Freundin aus Köln sagte in einem Telefonat zu mir, es ist noch gar nicht so lange her, sinngemäß folgendes: „Paddy, warum lässt Du es zu, dass Menschen Dich verletzen können, die für Dich und Dein Leben überhaupt keine Rolle spielen?“
Und da habe ich drüber nachgedacht. Und so wirklich ist mir nichts dazu eingefallen. Und so kann es nur einen Schluss geben. Ich würde gar nichts zu ihnen sagen. Weil sie mir nichts bedeuten. Ihre Taten führen dazu, dass ich sie abschenke. Man muss Menschen auch abschenken können und nicht immer bekehren wollen. Es kostet zu viel Kraft. Kraft, die man für Menschen aufbringen sollte, die einem wichtig sind.
Weißt du noch, das Exciter Forum. Viele von uns haben sich dort kennengelernt. Deine Erinnerungen an diese Zeit…
Das gute alte Zeitgeschehen. Ich muss immer lachen, wenn ich an diese Zeit denke. Sie war wundervoll. Wusstest Du, dass ich da mal Mod war? Console hieß ich da. Auch mal Console-One. Herrlich. Ich habe dort viele großartige Leute kennengelernt. Mit einigen verkehre ich heute immer noch. Aber nicht mehr sexuell. Diese Zeit ist vorbei. Hahahaha.
Kommen wir noch einmal zurück zur Musik. Konzerte sind endlich wieder möglich, welche Künstler stehen in diesem Jahr auf deiner Liste?
Neben Depeche Mode gehe ich noch zu den Hollywood Vampires. Mit meiner 15jährigen Tochter. Sie ist wohl der größte Johnny Depp Fan von Dortmund. Sie kann schon seit einem Monat nicht mehr schlafen. Ansonsten gehe ich tatsächlich auf Messen. Spielwarenmessen 😉
Das soll aber nicht heißen, dass ich zu keinem Konzert mehr gehe. Ich habe nur noch für keines Karten und lasse das mal auf mich zukommen.
Paddy, ich danke dir für das großartige Gespräch und wünsche dir und deiner Familie nur das Beste, einen wunderbaren Konzertsommer und zum Abschluss, viele Freunde und Wegbegleiter werden das hier lesen, du hast das letzte Wort!
Letzte Worte haben immer so etwas von Abschied. Und Abschiede mag ich nicht. Ich freue mich, dass ich ein Teil von diesem Projekt sein durfte und irgendwie schließt sich da ja auch der Kreis. Wer hätte das gedacht, als wir damals diesem illustren Club ins Leben gerufen haben, wonnich?
