Im Interview: NINA

Von Marcel /

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Liebe Nina, ich freue mich das du dir Zeit nimmst an unserem neuen Projekt mitzuwirken. 2020 ist ein wirklich außergewöhnliches Jahr. Die Corona Pandemie, Unruhen in den USA bewegen aktuell die Welt. Durch den Ausbruch des Corona Virus hat auch die Musikindustrie hart darunter zu leiden. Du bist seit einigen Wochen bei deiner Familie in Berlin. Wie hast Du den Shutdown und die Corona-Zeit, die ja noch wie vor uns alle bewegt, persönlich erlebt?

Es sind wirklich sehr unsichere und einsame Zeiten. Ich bin Mitte März zu meiner Familie nach Berlin geflogen und war erst einmal ein paar Wochen in Quarantäne. Ich bin wochenlang nicht rausgegangen und gehe auch jetzt nur raus um zum Supermarkt zu fahren und natürlich immer mit Mundschutz.  Ich habe Skype definitiv total ausgenutzt in dieser Zeit.

So wie ich dich kenne warst du in dieser Zeit des Lockdowns nicht untätig. Konntest du die Zeit nutzen und dich kreativ entfalten?

Auf jeden Fall. Ich habe 2020 damit verbracht, Songs zu schreiben und aufzunehmen in meinem home studio. Genug Songs für ein drittes Album sogar. Ich dachte entweder stecke ich meinen Kopf in den Sand oder ich arbeite richtig hart, damit wenn das alles vorbei ist, ich wirklich vorbereitet bin.

Die Welt erlebt neben der Pandemie auch nach wie vor Rassismus, Gewalt und Anfeindungen. Wie denkst du über diese ganze unerträgliche Situation?

Es ist einfach nur traurig, dass so viel Hass und Ungerechtigkeit in unserer Welt herrscht. Gerade jetzt, sollten wir alle zusammenhalten. Ich finde es gut, dass viele Künstler ihre online Präsenz nutzen um auf Rassismus und Gewalt aufmerksam zu machen und weiterhin Charities unterstützen. Ich habe mitgewirkt für  ’Synths United Against Hate’, eine Synthwave compilation wo alle Einnahmen an die Loveland Foundation gehen. Loveland Foundation ist eine amerikanische non-for-profit die Menschen die mit Rassismus zu kämpfen haben, helfen.

Kommen wir zu den erfreulichen Dingen des Jahres, du hast im Juni dein zweites Album „Synthian“ veröffentlicht. Ist das Album für dich die logische Fortsetzung des Vorgängers „Sleepwalking“?

Kann man so sagen. „Synthian“ ist „Sleepwalking‘s“ grosse Schwester. Erwachsener, aber dennoch wild. Ich habe auf jeden Fall meinen klassischen Sound beibehalten, aber wie ich finde, ist „Synthian“ vielseitiger. „The Distance“ ist ein sehr romantischer Song, der sehr cinemantic ist und „The Wire“ geht eher in die Dark Wave Richtung. Ich bin so stolz auf meine beiden Alben und hoffe, dass auch mein drittes Album meinen Fans gefallen wird.

Wo und wie wurde „Synthian“ produziert und hast du besondere Erinnerungen, wenn du an den Entstehungsprozess zum Album zurückdenkst?

Ich habe „Synthian“ zum Teil in England und zum Teil in Schweden aufgenommen. Es ist wieder eine Kollaboration mit LAU. Wir haben mit meinen Produzenten Oscillian und Richard X gearbeitet, dazu kam die Legende Ricky Wilde „Runaway“ und „Gave Up On Us“, und deutscher Produzent Till Wild „Love Is Blind“. Mit Ricky Wilde Songs zu schreiben war ein ganz besonderes Erlebnis. Ich bin schon seit den 80ern ein riesen Fan von seiner Schwester Kim Wilde und die beiden haben schon so viele Hits geschrieben. „Unnoticed“ habe ich mit Richard X geschrieben und wir haben immer so viel Spass im Studio. Er hat schon mit so vielen bekannten Künstlern gearbeitet und ich lerne immer sehr viel von ihm. Den Song hatten wir schon vor Jahren geschrieben und er sollte eigentlich part of „Sleepwalking“ werden, hat dann aber nicht mehr reingepasst. „Synthian“, „The Wire“ und „The Distance“ habe ich in Schweden aufgenommen in Oscillian‘s Studio. Oscillian und ich sind mittlerweile echte Freunde geworden.

Wenn du die beiden Alben jetzt im Nachhinein beurteilen würdest, welches sind deine persönlichen Favoriten und liegen dir besonders am Herzen?

Ich bin sehr stolz auf beide Alben und für jeden Song habe ich eine ganz besondere Verbindung. Hier sind meine Favouriten: „The Distance“, „Synthian“, „Runaway“, „Beyond Memory“ und „Your Truth“

Weißt du noch wann und wie du das erste Mal mit Musik in Berührung gekommen bist?

Ich habe Musik schon immer geliebt. Singen war immer eine Art mich auszudrücken; ein Entkommen. Als ich 6 Jahre alt war, stand ich das erste Mal vor einem Publikum und da war es um mich geschehen. Ich wusste ich wollte auf der Bühne stehen.

Du bist vor 16 Jahren nach London gegangen. Wie kam es dazu und wie hast du es geschafft in der Musikbranche Fuß zu fassen? Ich denke mir das es nicht immer einfach war.

Das war wirklich nicht einfach. Ich habe viel in Clubs und als Backround Sängerin für andere Künstler gesungen. Es gab auch viele Enttäuschungen. Als ich dann LAU kennengelernt habe, nahm alles eine bessere Wendung. Es ist so wichtig das richtige Team für einen zu finden. Auch wenn wir jetzt nicht mehr zusammen arbeiten, war diese Zeit sehr wichtig für mich um Fuss zu fassen in der Musikbranche und mich selber als Künstler zu finden.

England ist auch die Heimat vieler Lieblingskünstler von dir. Depeche Mode, Queen und auch David Bowie. Wieviel Einfluss hat der Sound und die Magie der großen Vorbilder auf deinem musikalischen und auch persönlichen Werdegang?

Oh sehr viel! Ich höre sogar meistens nur Musik aus den 80ern und fast keine moderne Musik. Das ist meine Welt, da komme ich her und das spiegelt sich in meinem Sound wieder.

Dann hast du Laura kennengelernt, 2011 kam dann der Deal mit Aztec Records zustande. Ihr seid zu einem starken Team gewachsen. Wie ist die Arbeitsaufteilung zwischen Dir und Laura (LAU)?

Im kommenden Jahr jährt sich der Tod von Freddie Mercury zum 30. Mal. Eine Freundin von mir ist auch großer Queen Fan. Sie sagte einmal zu mir „solch einen einzigartigen Entertainer wird es nie wieder geben“ Alles was die Band Queen danach gemacht hat konnte sie nicht in ihr Herz lassen. Dann kam es ab 2012 zur Zusammenarbeit mit Adam Lambert. Ein ausgezeichneter Künstler und Entertainer wie wir finden. Aber er ist auch nicht Freddie Mercury, und er versucht auch nicht Freddie Mercury zu sein. Aber er ist auch der geborene Frontman einer Band. Wie denkst du über diese Zusammenarbeit und würdest du dir auch eine Queen + Adam Lambert Show anschauen?

Oh ich habe mir die Show mit Adam Lambert angeschaut in London und es war der absolute Wahnsinn! Adam hat alle in seinen Bann gezogen. Es stimmt, er wird nie Freddie sein, aber das versucht er auch nicht. Er hat mich zum weinen gebracht. Only „happy tears“ natürlich. Er war charmant und ist offensichtlich sehr talentiert.

Es gibt heutzutage zugegebenermaßen wirklich sehr viele Künstler, die sich am vergangenen Geist der 80er Jahren orientieren und diesen deutlich in ihren musikalischen Stil einfließen lassen. Doch nur wenige schaffen es die melodische, authentische 80er-Atmosphäre zu vermitteln. Du hast in den letzten Jahren einen großen Teil dazu beigetragen dem 80er Revival-Sound eine neue Qualität zu vermitteln. Wenn du an die 80er zurückdenkst und mit der heutigen Zeit vergleichst, was vermisst du am meisten aus dieser Zeit und was waren für dich in diesem Jahrzehnt die prägendsten Dinge?

Ich vermisse den authentischen Sound der analog Synthesizers und ich bin ein riesen Fan von Filme aus den 80ern, wie „The Fog“, „E.T.“ und „Back To The Future“. Auch die 80er Jahre Fashion war super fun. Schulterpolster und big hair-do‘s. Himmlich! 

Etablierte Künstler der vergangenen Jahrzehnte feiern häufig beachtliche Comebacks. Nach fast 30 Jahren erreichte beispielsweise Rick Astley 2016 wieder Platz eins der britischen Charts mit seinem Comeback Album „50“. Shakespears Sister feierten 2019 ein sehr erfolgreiches Comeback. Die liste könnte unendlich weiter gehen, oft sind es Künstler die man nur noch im Hinterkopf hatte. Denkst du das, wenn man als Künstler ein kreatives Tief oder auch andere alltägliche Sorgen hat, man nie aufgeben sollte dies zu tun was man so sehr liebt?

Auf jeden Fall sollte man niemals aufgeben das zu tun was man liebt. Stattdessen sollte man ein kreatives Tief akzeptieren und es ausklingen lassen. Man kann Kreativität nicht erzwingen.

Was motiviert dich und was gibt dir Energie?

Die Liebe meiner Fans motiviert mich ungemein und ich liebe es auf der Bühne zu stehen. Es gibt mir sehr viel Kraft und Energie.

Hast du beim Texten eine feste Routine oder leben deine Werke eher von spontanen Einfällen?

Es kommt darauf an, ob ich zu einem Instrumental schreibe, oder ich zu erst den Text schreibe. Ich schreibe viel Poesie und manchmal wandle ich die dann um zu einem Song Text. Schneller geht es aber, wenn ich direkt zu einem Instrumental, Melodie und Text schreibe.

Du arbeitest mit etablierten Produzenten zusammen. Wie unterschiedlich ist die persönliche Zusammenarbeit und wie wird entschieden mit wem du an welchen Stücken zusammenarbeitest?

Es kann sehr unterschiedlich sein. Jeder Produzent hat seine eigene Art zu arbeiten, was sehr interessant ist. Ich finde es an erster Stelle wichtig, mit lieben Menschen zusammenzuarbeiten. Mit wem ich was schreibe, kommt eigentlich immer spontan.  

Gibt es Künstler oder auch Produzenten, mit denen du gerne einmal zusammenarbeiten arbeiten würdest?

Max Martin oder M83.

Kannst Du Dir denn vorstellen, auch mal auf Deutsch zu singen oder ist das eher ein No-Go?

Absolut! Ich würde gerne mal einen Song in Deutsch singen.

Für den Song „One Of Us“, übrigens einer meiner absoluten Favoriten, habt ihr in Warschau (Polen) einen Videoclip gedreht. Wie kam es dazu? Und wie ist es für dich finanziell und logistisch zu stemmen, deine Videos sind stets sehr aufwändig und qualitativ hochwertig produziert.

Danke. Das freut mich sehr zu hören! „One Of Us“ wurde durch das Britische Label Metropolis veröffentlicht und die hatten den Kontakt in Polen. Der Director „Lukasz Pytlik“ hat einen klasse Stil und es war sehr aufregend mit ihm zu arbeiten. Warschau ist eine wunderschöne Stadt und es hat sehr viel Spass gemacht, mit den Komparsen zusammenzuarbeiten. Die waren ja alle noch Kinder, aber wirklich sehr professionell.

Auch deine physikalischen Veröffentlichungen sind von Anfang an sehr hochwertig, Musikkassetten und Vinyls in Sonderpressungen auf farbigem Vinyl. Wie wichtig sind Dir diese Form der Veröffentlichungen?

Es war schon immer ein Traum von mir, meine Musik auf Vinyl zu veröffentlichen. Ich habe ja selber eine grosse Platten Sammlung von meinen liebste Künstlern. Im Allgemeinen finde ich, ist es was Besonderes Musik auf Kassette, CD oder Vinyl in der Hand halten zu können.

Social Media – Facebook, Instagram und Co – als das alles so anfing, war Dir das direkt klar, dass Du das für dich nutzen willst? Sicherlich sind diese Plattformen Fluch und Segen zugleich. Es kann mitunter nerven, gerade als KünstlerIn, aber dadurch verbreitet sich manches halt auch einfach schneller und besser.

Da stimme ich Dir zu… Es ist nicht immer leicht, mit allem mithalten zu können. Aber ich muss sagen, es hat mir viele Türen geöffnet und ich möchte es nicht missen. Leider ist aber jetzt schon fast essenziell für Künstler, eine dieser Platforms zu benutzen.

Am 5.6. wurde nicht nur „Synthian“ veröffentlicht, sondern auch das neue Album „Now Or Never“ von ADAM IS A GIRL. Ein gutes Omen für euch wie ich finde 😉. Im Dezember spielt ihr ja sogar eine Doppelshow im PRIVATCLUB Berlin. Du kennst Anja und Alex ja auch schon eine ganze Weile. Wie ist so der Kontakt zwischen euch und gab es vielleicht auch mal den Gedanken musikalisch etwas gemeinsam zu machen?

Noch haben wir nicht über eine musikalische Zusammenarbeit geredet, aber was nicht ist kann ja noch werden. Ich freue mich auf jeden Fall riesig mit ADAM IS A GIRL ein paar Shows spielen zu können in diesem Jahr (2021).

Wenn du an deine Konzerte zurückdenkst, hast du besondere Erinnerungen?

Da gibt es so viele wunderschöne Erinnerungen. Es ist jedes Mal aufregend. Ich erinnere mich gerne an „Synth Pop Goes Berlin“, „Buenos Aires Outrun“ und „Helsinki Synth City“, wo einfach alles perfekt war. Aber ich denke auch gerne an die Shows zurück wo nicht immer alles glatt ging, wie z.B. in Potsdam (Vorgruppe von Mesh), wo unser Laptop den Geist aufgegeben hat mitten im Intro. Es ist auf jeden Fall nie langweilig!

Eine neue Tour wird’s Anfang 2021 geben. Kannst du schon etwas über die Pläne zur Tour sagen (wir hoffen natürlich alle, das Konzerte bald wieder zur Normalität gehören) Und was sind deine Pläne für danach?

Leider ist das alles sehr unsicher. Die Tour wurde auf Ende 2021 verschoben und es ist auch unklar, ob meine Show mit Ollie Wride im März in London stattfinden wird. Ich kann es auf jeden Fall nicht erwarten, endlich wieder auf der Bühne stehen zu können.

Was wünschst du dir persönlich und für die Musikbranche für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich weiterhin auf Tour gehen kann, und dass mich meine Fans weiterhin auf diesem verrückten Weg begleiten werden.

Nina, ich danke dir sehr für das Gespräch, und wünschen dir und deiner Familie nur das Beste und vor allem Gesundheit. Die letzten Worte gehören Dir 😊

Danke Marcel für deine jahrelange Unterstützung! Thank you Synthians for showing me so much love over the years. I‘m forever grateful!