Im Interview: KatDivine
von Marcel / 02.03.2025

Da hast du Freunde in Deinen Social-Media-Kanälen, die begleiten dich über Jahre. Sie sind ähnlich gestrickt, die gleiche Liebe für die Musikszene, sozial engagiert und charakterlich einzigartig. Dir werden Shooting Fotos, Cosplay Kostüme, und aktuelle Projekte in deiner Timeline angezeigt und du denkst... „Wow“ wie vielseitig Sie doch ist. Dann siehst du Bilder, die dich noch viel mehr faszinieren, Mermaiding, diese Schwimmsportart, bei der man sich in einem entsprechenden Kostüm mit einer Monoflosse wellenförmigen Bewegungen wie eine Meerjungfrau im Wasser fortbewegt. Spätestens da´war mir bewusst, mit Kat musst du unbedingt ein Interview machen.
Am 28.02. startete sie nun auch mit ihrer ersten Single als Sängerin durch und jetzt endlich hatten wir beide die Möglichkeit ein wenig zu plaudern und ich freue mich sehr, dass Kat direkt zugesagt hat.
Hallo Kat, ich freue mich wirklich sehr; dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Für alle, Die Dich noch nicht kennen sollten, stell Dich doch einmal kurz vor.
Vielen Dank, ich freue mich wirklich sehr, dass du mich nach einem Interview gefragt
hast. Ich bin Katharina, bei den meistens als Kat oder KatDivine bekannt, 35 Jahre alt
und bin Grafik Designerin, Mediengestalterin und Ausbilderin in diesem Bereich.
Es gibt tatsächlich so einige Projekte, die Dein Leben beeinflussen. Wer Deine
Social-Media-Kanäle verfolgt weiß, dass Du unter anderem als Cosplayer tätig
bist. Wie lang machst Du das schon und kann man sagen, dass das der
„Startschuss“ für Dich war, Deine kreativen Ideen und Gedanken auszuleben?
So richtig cosplaye ich seit 2012, aber ich war schon als kleines Kind kreativ und habe
mir Kostüme gebastelt. Meine Oma hat mir als Kind schon nähen, häkeln und den
Umgang mit der Nähmaschine beigebracht. Außerdem habe ich immer gerne gemalt
und gezeichnet. Ich bin mit Animes aufgewachsen, ganz vorne dabei Sailor Moon,
daher war ich früh in dieser Welt unterwegs und habe schon als Kind Sailor Moon
verkörpert, habe mir zB aus Wolle ihre langen Haare gebastelt , da es noch keine
Perücken gab. Als dann die Cosplay Bewegung aufkam, hat das ganze natürlich
andere Dimensionen angenommen und ich konnte mich dadurch immer mehr
entwickeln, meine Fähigkeiten ausbauen und so für mich selber in der Verwirklichung
meiner Kostüme immer besser werden.

Kopierst Du das Kostüm eines Charakters genau, oder bevorzugst Du es,
Deine eigenen Interpretationen hinzuzufügen?
Das kommt ganz auf meinen Geschmack an. Durch meinen Beruf ist Perfektion Fluch
und Segen und ich mag es eigentlich, wenn Kostüme zu 100% dem Charakter
entsprechen. Aber genauso hab ich viele Eigenkreationen von Charakteren gemacht
und bin der Meinung jeder sollte es so umsetzen, dass es einem selber gefällt. Jeder
hat nun mal einen anderen Anspruch und das ist auch gut so. Somit ist und bleibt die
Szene vielfältig und bunt.
Du hast wahrscheinlich großartige Erinnerungen an die Teilnahme
zahlreicher Cosplay-Conventions. Welches war eine Deiner schönsten und auf
welcher war sie?
Mit den Jahren gab es viele tolle Momente, darunter einige Teilnahmen an
Wettbewerben oder die Krönung zur Ballkönigin bei einem Cosplayball. Besonders
schön war vor knapp 10 Jahren ein Erlebnis auf der Leipziger Buchmesse, ich war als
Sarah Williams im Ballkleid aus dem Film Labyrinth (der mit David Bowie als Goblin
King – einer meiner Lieblingsfilme) unterwegs. Und den ganzen Tag über, haben mich
Menschen angesprochen, dass mein Gegenpart im zu mir passenden Kostüm auf der
Convention unterwegs ist. Wir kannten uns nicht, haben uns somit nicht
abgesprochen und tatsächlich haben wir uns fast zum Ende des Tages zufällig
getroffen und schöne Paarfotos aufgenommen. Sie hat Jareth also David Bowie im
Balloutfit dargestellt und auch den ganzen Tag gesagt bekommen, dass ich auf der
Con unterwegs bin, das war eine schöne Begegnung, wir haben uns sehr gefreut.

Auf der Leipziger Buchmesse war ich auch einmal als Arielle mit einem Fischschwanz
unterwegs und ein kleines Mädchen, leider mit einer Behinderung, war so hin und
weg, dass es ein tolles Gefühl war, ein kleines Herz nur mit meiner Erscheinung
glücklich zu machen.
Toll war auch die Synchronsprecher der Serie Sailor Moon zu treffen, die ich seit
Kindheitstagen schaue. Sabine Bohlmann, auch bekannt als Lisa Simpson, hat u.a. ein
Panel mit Live Synchro zur Serie gemacht, da hab ich Gänsehaut und Tränchen in den
Augen bekommen. Außerdem habe ich viele tolle Menschen durchs Cosplay kennenlernen dürfen.
Was gibt Dir das Cosplay ganz persönlich? Ist es mehr Selbstvertrauen?
Ich finde, es ist eine wunderschöne Art, sich mit Charakteren, die man liebt und einen
geprägt haben (für mich immer the one and only Sailor Moon) zu verbinden und
darzustellen. Durch Cosplay habe ich mich mit neuen Dingen beschäftigt, Fähigkeiten
dazu gelernt und Sozialkompetenzen weiterentwickelt. Dazu gehört auf jeden Fall
Selbstvertrauen. Wir haben Cosplaygruppen organisiert, Veranstaltungen aufgebaut,
Menschen unser Hobby und unsere Welt näher gebracht und ich bin froh, dass die
meisten vor allem auc ältere Menschen sehr offen und neugierig auf uns zu gingen.
Das Hobby verbindet so viel Positives in einem. Wenn ich dann ein Cosplay von einem
Charakter trage, den ich durchweg liebe und Menschen dann mit strahlenden Augen
auf einen zukommen, ist es das größte Lob.
Ein weiteres Herzensprojekt von Dir ist das Hobbymodeln. In unserem
Vorgespräch zum Interview erwähntest Du, dass Dein erstes Shooting in einem
Brautkleid war. Wie kam es dazu, Dich neben dem Cosplay auch als Model für
normale Bilder auszuprobieren?
Beim Cosplay geht es ja darum, seinen Charakter und sein Kostüm natürlich auch auf
Fotos ins rechte Licht zu rücken, daher habe ich es geliebt, gerade fantasievolle Bilder
zu machen und zu bearbeiten. Meine Bekannten und Freunde haben dann natürlich
auch durch Social Media mitbekommen, was ich da so mache und so hat mich ein
Bekannter mal gefragt, ob ich auch normale Fotos ohne Cosplay machen würde. Ich
hatte ein tolles Vintage Brautkleid von einem Flohmarkt und wir duften dann auf einem
Rittergut, welches auch eine Hochzeitslocation ist, Bilder machen und so ging es dann
los. Und auch da interessiere ich mich für viele Facetten, am schönsten finde ich
jedoch Dark Beauty und Gothic Bilder, das bin einfach mehr ich :)

Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor und wie viel Zeit und Aufwand
investierst Du in Dein „Model-Sein“?
Das kommt ganz auf das Thema an, ich shoote ja nicht gegen Bezahlung, d.h. es ist
immer super entspannt. Früher bin ich auch noch recht weit für Shootings gefahren,
da war der Zeitaufwand natürlich höher. Heute bin ich da um einiges gediegener, habe
mich ja schon in vielem ausporbieren dürfen und setze meistens nur noch Shootings
um, auf die ich selber total Lust habe. Irgendwelche Beautyshootings in Blumen
interessieren mich daher nicht mehr so, da ist der Reiz für mich weg. Daher wurden
meine Bilder auch aktuell immer weniger oder ich hab per Selbstauslöser ein paar
Bilder gemacht, um mich da trotzdem weiterhin kreativ zu verwirklichen.
Vor einigen Monaten bin ich auf Deinem FB-Profil auf Fotos von Dir
gestoßen, die mich wirklich fasziniert hatten. Mermaiding, etwas, was mir
zugegebenermaßen völlig fremd war, aber …Tatsächlich war dies der
ausschlaggebende Punkt für mich, mit Dir muss ich unbedingt mal ein Interview
machen. Erzähle uns doch bitte ein wenig über diese außergewöhnliche Sportart.
Das mache ich nun auch schon seit ich glaube 2011 oder 2012, im Herzen war ich aber
schon immer eine Meerjungfrau, seitdem meine Oma mir im Kindergarten ein Buch der
kleinen Meerjungfrau (nicht von Disney!) gekauft hat und ich fasziniert war. Fasziniert
von der Unterwasserwelt seit jeher, was dort alles so leben mag und wieso auch nicht
Meerjungfrauen. Damals bin ich noch ganz einfach mit einer Monoflosse und einem
Bezug aus Badeanzugstoff im Freibad geschwommen. Die Mermaid Szene, gerade in
den USA, hat sich krass entwickelt. Es gibt zahlreiche Anbieter von Fischschwänzen
und die Preise sind nach oben offen. Ich habe auch ein paar sehr teure Flossen in
meiner Kollektion, daher ist es schade, dass ich immer nur eine zum Schwimmen
anziehen kann und dies leider auch viel zu selten tue. Ich habe mir meinen großen
Wunsch erfüllt, als Meerjungfrau mit Delfinen zu schwimmen, das war unglaublich
ergreifend. Mittlerweile gibt es sogar Tuniere, an denen Meerjungfrauen und -männer
teilnehmen können, es gibt Workshops, teilweise auch in anderen Ländern und
Meerjungfrauenschulen.

Hat sich Dein soziales Umfeld über die Jahre durch Deine Projekte sehr
verändert?
Ja das hat es, meine soziale Bubble hat sich durch meine Hobbys und mein Social
Media Verhalten sehr vergößert, was ich sehr schön finde, da ich so viele tolle,
kreative und liebe Menschen kennen lernen konnte. Dazu gehört vor allem meine
Ghostbusters Gruppe, mit denen ich sehr eng befreundet bin und wir fast täglich
Kontakt haben, gemeinsam unser Hobby leben und auf Veranstaltungen gehen.
Mit Deinem jüngsten Projekt wagst Du etwas neues, auch wenn es uns alle
in der schwarzen Szene mehr oder weniger zusammengebracht hat, die Musik.
Mit „Ghosts“ hast Du Deinen ersten eigenen Song veröffentlicht. Wie kam es
denn dazu, jetzt selbst Musik zu machen?
Ich wollte immer schon selber Musik machen, hatte aber nie wirklich die Möglichkeiten
und Fähigkeiten dazu. Durch meine verschiedenen Partner, die auch selber Bands
hatten, habe ich dann mitbekommen, wie es sein muss, mit seiner Musik andere
Menschen zu begeistern, zum tanzen und singen zu animieren oder einfach vom Alltag
abzulenken. Der Wunsch in mir ist gewachsen und so habe ich mich nun getraut ein
eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Meine Beruf kommt mir da auch etwas zu
Gute, da ich mich mit einigen Programmen schon beschäftigt habe. Aber auch da, ich
lerne noch, nichts ist perfekt und ich freue mich, auf das, was da noch kommt :)
Bleiben wir noch etwas bei der Musik, Deine persönlichen Vorlieben, was
hörst Du privat gern?
Kurz: Alles. Ich bevorzuge auf jeden Fall alles Elektronische wie Techno, Trance, Goa,
Psychedelic, House, Industrial, Synth & Future Pop, Retro Wave, Ebm, Industrial. Aber
ich liebe auch Musik der 80 und 90er, ich mag einiges an Rock und Metal, bin mit Hip
Hop und RnB aufgewachsen, ich liebe Britney Spears und Evanescene und ich tanze
gerne Discofox zur Schlagermusik.
Mit welchem Künstler, egal ob Musik oder aus dem Model Bereich, würdest
Du gerne einmal zusammenarbeiten?
Britney Spears. Die Frau hat mich in meiner Jugend sehr geprägt und ich wünsche
mir, dass es ihr wieder gut geht inkl. neuen Songs von ihr.
Bei all Deinen zahlreichen Projekten, was machst Du, um mal abzuschalten,
was tust Du, um die sprichwörtlichen „Akkus“ wieder aufzuladen?
Essen, Schlafen, Zocken. Der Schlaf kommt meistens zu kurz. Jeden Tag hänge ich
aber schon vor der Playstation, ich liebe VR Games, speziell auch Horror VR Spiele
und ich erledige meine täglichen Aufgaben in Fallout. Und wer isst nicht gerne? :D
Kat, ich danke Dir für das tolle Gespräch! Ich wünsche Dir alles Liebe und
weiterhin viel Erfolg mit Deinen Projekten und bewahre Dir Deine Kreativität!
Vielen lieben Dank
+++
Kontakt/Info: Linktree