High Five – Das fünfte Mitglied - Im Interview:

Jens Eipel

JensEipel.png Das fünfte Mitglied, bei dieser Bezeichnung denkt man zuerst an die Beatles. Als "Fünfter Beatle" wurden in der Geschichte der britischen Band viele genannt.
Warum wir das an dieser Stelle jetzt erwähnen, auch in der Geschichte von De/Vision findet sich ein fünftes Mitglied wieder. Auch wenn die Bezeichnung „fünftes Bandmitglied“ so nicht ganz richtig ist. Jens war in der Zeit vor der offiziellen Bandgründung ein wichtiger Wegebegleiter für Stefan und Markus vom hobbymäßigem Musik machen zum Ernst werden.
So ist sein Wirken in der Geschichte mehr als erwähnenswert und wir hatten das große Glück, mit Jens im Kontakt zu treten und ein Interview führen zu können.

Hallo Jens, wir freuen uns sehr, dass auch du bei unserem Projekt dabei bist. bist du überrascht, nach all der Zeit mit De/Vision in Verbindung gebracht zu werden?

Gewisserweise ja, zum einen weil ich ja lediglich in der Anfangszeit der Band dabei war und das ja nun schon eine ganze Zeit her ist – lass mich nachdenken – wahrscheinlich 33 oder 34 Jahre – genau kann ich das nicht festmachen.
Zum Anderen weil ich ausgestiegen bin bevor De/Vision in der „Öffentlichkeit“ bekannt war - eher bekannt im Freundeskreis und unter Schulfreunden.

Gerade deshalb freue ich mich aber, dass ihr bei der Recherche zum Buch so weit zurück geht. Am Erfolg und Werdegang von De/Vision war ich nicht beteiligt. Ich erinnere mich dennoch gerne an die Anfänge. Daher ein paar Erinnerungen aus meiner Sicht zur Gründerzeit der Band – falls von Interesse:
Die erste Minute der Band hat für mich angefangen, als ich Markus  (mit dem ich  quasi schon immer in eine Klasse ging) besuchte und er einen CASIO VL-TONE [1] Taschensynthie in der Hand hielt – ich glaube er hatte das Ding von seiner Schwester. (Bild von genau diesem Gerät- siehe unten). [2]

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Wir waren ja totale DM Fans und ich hatte/habe zudem einen totales Faible für Elektronik, Computer und elektronische Musik – hatte aber bisher noch keinen Synthie selber besessen und das Gerät - auch wenn aus heutiger Sicht kein echter Synthesizer - hat mich gefesselt.
Wir haben auf dem Teil angefangen Songs zu spielen und haben per Tape Bounce Recording immer eine Spur nach der anderen dazu gespielt. In diesem Zuge habe ich auch Stefan über Markus kennengelernt, wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und Musik war unsere „Welt“. Irgendwie hat sich das immer weiterentwickelt. Stefan hatte irgendwann angeboten, dass wir in seinem Keller Musik machen können.

Natürlich brauchten wir bessere Geräte. Wir haben dann zuerst mit unseren finanziell sehr begrenzten Mitteln unter anderem einen Casio SK-1 gekauft. Mit dem konnten wir sampeln über in Micro (aber nicht speichern), damals Wahnsinn. [3]02.jpg

Mit diesen aus heutiger Sicht einfachen Geräten haben wir unsere Songs komponiert, gesungen, alles per „Hand“ gespielt und Bounce Recordings gemacht. Da musste alles sitzen ohne nachträglich bearbeiten ;)
Die Tapes dazu habe ich heute leider nicht mehr .

Gesang war, wie bei fast jeder Band, immer ein Thema. Irgendwann hatte Markus oder Stefan (ich weiß nicht mehr genau) von einem Kumpel erzählt der singen kann und vielleicht mitmachen will. Wir haben uns in der Burger Ranch in Bensheim zum Abendessen getroffen und wir waren uns sofort einig. Steffen ist dabei. Der richtungsweisende Moment aus meiner Sicht.

Irgendwann dann haben wir uns dazu entschlossen, dass wir professionelle Geräte brauchen. Keine halben Sachen eben. Da wir noch in der Schule bzw. Ausbildung waren, fast unerschwinglich. Wir haben dennoch einen Kredit aufgenommen (die Raten haben wir durch jobben im Supermarkt aufgebracht) und jeder hat daraufhin neben Anlage und Mischer einen Synth gekauft (Stefan einen DX7, Markus einen Korg DW8000 und ich den Casio CZ-1  Phase Modulation Synth).
Das war damals wirklich Wahnsinn plötzlich so ein „Studio“ in diesem Alter zu „haben“. In gewisser Weise fing es mit der Investition somit aus meiner Sicht an, dass wir Verantwortung für das Unternehmen „Band“ hatten – der Erfolg von De/Vision war sozusagen somit vorprogrammiert.
Mein Respekt vor der Band, die „Vision“ von dort an kompromisslos und mit Leidenschaft durchzuziehen“!


Die meisten Fans werden ja so gar nichts von dir wissen, magst du uns vielleicht ein wenig von dir erzählen? Hast du einen kreativen beruflichen Werdegang eingeschlagen und nach der Liaison mit Stefan und Markus noch Musik gemacht?

Musik habe ich immer seither gemacht – mal mehr mal weniger.  Aber es war und ist meine erste und bleibende Leidenschaft! (Mal abgesehen und Kindern und Familie).
Nach dem Ausstieg bei De/Vision war ein Synth erstmal das Wichtigste. Die Sommerferien habe ich in einer Brotfabrik gejobbt um mir dann einen Casio VZ-1 zu kaufen und Software auf dem Atari ST.
Ob in meiner Studentenbude oder in meinem Haus - ich hatte immer eine Ecke oder einen Raum für mein Heimstudio. Ich spiele / improvisiere auf dem Klavier – zum runterkommen.
Einen kreativen Werdegang habe ich in dem Sinne nicht eingeschlagen. Ich habe nach dem Austritt aus der Band Bauingenieur studiert, war in der Softwareentwicklung und bin seit rund 10 Jahren Projektleiter. Manchmal fällt es mir aber schwer morgens aufzustehen wenn ich bis 2 an einem Song gefeilt habe und dann zur Arbeit muss ;)
z.B.

https://soundcloud.com/jens-eipel/this-is-amy-and-im-not-alive-1
https://soundcloud.com/jens-eipel/noone-but-me-mid-winter-remix


Direktlink zum Soundcloud Kanal:
https://soundcloud.com/jens-eipel

Elektronische Musik machen war damals anderes als heute. Man musste erheblich mehr improvisieren und basteln und wenn man will auch löten und programmieren.  Unvergleichbar mit einfach mal Ableton oder Cubase anschmeißen und hunderte von Synths und FX zu haben.  
Sich einen Emulator oder AKAI S1000 zu leisten als Sampler war vor dem Abi nicht in Reichweite. Also musste man tief in die Materie eintauchen.
Ja – z.B. hatte ich da mal einen Drum Computer mit Midi Out auf dem Atari St geschrieben. Da der ST nicht ohne weiteres samplen konnte, hatte ich die Samples über die parallele Druckerschnittstelle mit ein paar ausgewählten Widerständen gekoppelt ausgegeben. 8-Bit, 12 Khz. Das war nach De/Vision auch  eine Zeit Bestand meines „Studios“.

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Hast du seinerzeit auch Songs geschrieben?

Ja, ein paar. Aber keine Kassette hat überlebt. Erinnere mich z.B. an Clouds in the Sky.  Help war auch ein Song den ich / wir komponiert haben. Daswar schon mit den "echten Synths", CZ-1, DX-7, DW6000 und Drums kamen vom Atari ST. Haben wir immer komplett zusammengespielt ohne Unterstützung von Sequencer per Hand mit viel Konzentration. Das blieb mir in Erinnerung. Sowas macht man ja heute gar nicht mehr ;)


Kann mich auch noch an Fragmente des Textes erinnern den ich geschrieben hatte. Er fing an mit "Together on a trip to eternity, at least thats what we where trying to think ...". Bestimmt 30 Jahre nicht mehr dran gedacht aber noch present. Hatte eine Ex Beziehung mit dem Text reflektiert.

 

Was würden Stefan und Markus niemals ausplaudern wollen über diese Zeit?

Hm schwere Frage ...
… unser Bandtaxi, Stefans silberner Käfer z.B. war alles andere als verkehrssicher. Stefan war ja etwas älter und hatte einen Führerschein. Sein Käfer war leider nach einem Unfall in Bensheim etwas beschädigt. So waren wir immer mit einer roten, halboffenen, Bandlogo bemalten Motorhaube unterwegs. Mindestens einmal angehalten worden von der Polizei.


Hast du den Werdegang von De/Vision über all die Jahre weiterverfolgt?

Eher aus der Ferne und alle paar Jahre war ich mal auf Konzert, wenn De/Vision in der Frankfurter Gegend war auf der Gästeliste. Ich mag die Musik sehr. Die Harmonien von De/Vision sind meinem Harmoniegefühl sehr vertraut.


2018 feierte die Band ihr 30-jähriges Jubiläum. Was viele gar nicht wissen, du warst damals in Berlin als Gast auch dabei. Wir waren für dich die Shows?

Ja ich war mit Freunden (auch bekannte der Band) dort in Berlin. Wie gesagt ich mag die Musik und war vor allem bewegt, weil Markus und Stefan hier aufgetreten sind. War schon etwas sentimental und hat mich an die Anfänge erinnert.

Das Konzert fand ich sehr gut. Backstage haben wir uns danach  getroffen und es war toll, Steffen, Stefan, Markus und Thomas bei einem Bier zu sehen.


Welche Musik hörst du aktuell eigentlich gerade so und besuchst du auch regelmäßig Konzerte?

Höre sehr unterschiedliche Musik – tendenziell weniger Mainstream und eher elektronisch.
Elektronisch: Natuerlich auch immer noch mal die Bands aus der früheren Zeit wie DM, Kraftwerk, Anne Clark uvm., Aktuell mal wieder gerne Boards of Canada.
Aber auch quer Beet wie z.B. Bob Dylan, Prince, NoFX … einfach alles was interessant ist.
Kommen wir noch einmal zurück zu De/Vision. Hast du persönliche Song-Favoriten oder auch Lieblings Alben?
Da kommt mir sofort Try to Forget in den Sinn. Als Album: "Strange Days 

 

Der Ausbruch des Corona Virus bewegt in diesem Jahr die ganze Welt. Kontaktsperren, Unternehmen haben ihre Arbeit eingestellt, Geschäfte waren geschlossen. Wie erlebst du die momentane Situation.

Was Arbeit angeht fand ich die Umstellung von Frankfurt auf Homeoffice nicht so schlecht. Die notwendigen Einschränkungen bzgl. Freunde sehen, keine Konzerte und Events sind echt schade. Freue mich wieder auf die normale Welt.


Jens, wir danken dir sehr für das Gespräch,und wünschen dir und deiner Familie nur das Beste und vor allem Gesundheit. Die letzten Worte gehören Dir…

Danke Marcel. Wünsche euch viel Erfolg beim Zusammentragen der Infos und dem Buch. Viele Grüße und melde Dich wenn Du eine Frage hast.

Cheers Jens

Fotos: Jens Eipel

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Anmerkungen:
[1] Der Casio VL-1 (auch bekannt als Casio VL-Tone) war der erste Synthesizer der japanischen Firma Casio aus der VL-Reihe. Dieses sehr preisgünstige Instrument (Preisempfehlung in Deutschland 149 DM) wurde von 1981 bis 1984 hergestellt. Einer der vier Kashio-Brüder, die Casio 1946 gründeten, entwickelte den sehr kostengünstigen LSI-Chip, der zur Musikerzeugung genutzt wurde. Auf Drängen des Managements der Firma Casio wurde die Funktionsarmut des Chips durch einen eingebauten Taschenrechner kompensiert.

Das Gerät gilt als Kult-Instrument, da es besonders einfache Töne erzeugt.  Dabei spielt der Wiedererkennungswert des Grundklangs eine besondere Rolle.  Aus diesem Grund wird das Instrument bis heute von namhaften Künstlern verwendet, darunter Human League, Stevie Wonder, Robbie Williams und insbesondere Trio. Die deutsche Band Trio machte 1982 das Casio VL-1 populär, als die Band es in dem Welthit „Da da da“ verwendete. Der Rhythmus dieses Songs ist zu erreichen, indem am Casio VL-1 das Preset „Rock-1“ abgespielt wird. Auch andere Musiker verwendeten das Instrument, beispielsweise Robbie Williams in Rudebox, The Fall in The Man Whose Head Expanded, Human League in Get Carter und Fergie in Clumsy. Außerdem ist das VL-1 in Werner Nekes' Film Johnny Flash (1987) zu sehen. Da der Hauptfigur die große Technics-Orgel zu teuer war, kaufte sie sich das VL-1.

[2] Das Bild vom ersten De/Vision "Synth" wurde vom Musiker Taso aka  "Apollo Lovemachine" gestiftet.  Taso ist ein guter Freund von Stefan und Jens. Stefan hat nach seinem Bandaustritt den Casio Taso geschenkt, und das war gleichzeitig "Apollo Lovemachine's"  Start als Musiker. Taso fertigte Remixe für Fünf Sterne Deluxe, Ferris MC und 2017 für den De/Vision Track The Firing Line (Apollo Lovemachine Remix) an. Der Exklusive Remix wurde für eine begrenzte Zeit zum kostenlosen Download auf dem offiziellen Soundcloud-Kanal von Popgefahr  zur verfügung gestellt.

[3] Das Casio SK-1 ist eine kleine Sampling-Tastatur, die 1985 von Casio hergestellt wurde. Es verfügt über 32 kleine Klaviertasten, eine Polyphonie mit vier Noten, eine Abtastbittiefe von 8 Bit PCM und eine Abtastrate von 9,38 kHz für 1,4 Sekunden, ein eingebautes Mikrofon und einen Line-Level-Eingang für die Abtastung sowie einen internen Lautsprecher. Es bietet auch eine kleine Anzahl von polyphonen voreingestellten analogen und digitalen Instrumentenstimmen mit vier Noten sowie eine einfache additive Stimme.
Alle Stimmen können durch 13 voreingestellte Hüllkurven, Portamento und Vibrato geformt werden. Es enthält auch einen rudimentären Sequenzrekorder, voreingestellte Rhythmen und Akkordbegleitung. Der SK-1 war somit ein ungewöhnlich voll ausgestatteter Synthesizer auf dem damaligen Markt für Heimtastaturen unter 100 US-Dollar (das entspricht 240 US-Dollar heute).
Der SK-1 enthält ein vorab arrangiertes Musikstück, die Toy Symphony, die gespielt wird, wenn die "Demo" -Taste gedrückt wird.
Die Radio Shack-Version des Casio SK-1 heißt Realistic Concertmate 500.
Die SK-Linie wurde Ende der 1980er Jahre fortgesetzt, einschließlich SK-2, SK-5, SK-8 und 8A, SK-10, SK-60, SK-100, SK-200 und SK-2100.