Im Interview: Marcus Meyn (Camouflage)

by Olga Shumova

Nach dem spektakulären Jubiläumskonzert von Camouflage in diesem Jahr, bei dem De/Vision u.a. einen Gastauftritt hatten, erscheint im kommenden Jahr ihr neues Album „Greyscale“. Aus diesem Anlass hat sich Markus die Zeit genommen, unsere Fragen zu beantworten

Hallo Markus wir würden mit dir gerne über drei Themen sprechen: die Musik, weil das deine Leidenschaft ist, die Fröhlichkeit, denn du machst den Eindruck eines glücklichen Mannes und die Aussichten für die Zukunft. Ihr arbeitet gerade an einem neuem  Album, das bedeutet viele Termine liegen vor euch. Denkst du, als Musiker, dass es immer noch Wege gibt, andere zu berühren, zu inspirieren und zu verändern?

Als Musiker hat man die Möglichkeit seine Stimme zu erheben sodass sie gehört wird. Man kann seinen Finger auf Wunden legen oder ein Problem beim Namen nennen und andere werden dir zuhören und auf ein Problem aufmerksam werden. Ich sehe das als guten Weg Ideen zu unterstützen und auf Probleme aufmerksam zu machen. Ich persönlich würde niemals versuchen jemanden oder etwas zu verändern aber ich versuche immer meine eigene Meinung zusagen. Und diese Welt zu einem besseren Ort zumachen, ohne jemanden auf den Schlips zu treten.

Wer oder was inspiriert Dich? Filme, Musik, Menschen?

Ich lebe mit offenen Augen und werde inspiriert von den kleinen Sachen im Leben – eine Person, ein Buch, ein intelligenter Satz den ich von jemanden irgendwo hörte – Ich kann mich da schwer festlegen!

Wer sind nach deiner Meinung die neuen deutschen Popstars? Was wird der Musik Style der Zukunft sein? Mehr Electro, mehr live?

Momentan gibt es verschiedene neue Popstars. Manche kommen eher von einem Rap Hintergrund wie ein junger Mann namens Mark Foster oder zum Beispiel Milky Chance. Der Musikstil ist nicht neu und meiner Meinung nach ist in den letzten Jahren kein Schritt in Musikalisches Neuland gemacht worden. Es kommen und gehen neue Lieder, neue Bands aber nichts wirklich Neues.

Zu deinen Kollegen auf der Bühne: Siehst du diese eher als Konkurrenten oder Mitstreiter? Hörst du deren neue Musik?

Ich habe immer offene Ohren, da ich ja auch als DJ arbeite. Von daher höre ich viele verschiedene Stile.

Es war toll die zwei Könige des Synthpop zusammen auf der Bühne zu erleben bei eurem Jubiläumskonzert in Dresden. Wer hat sich die Songs für den gemeinsamen Auftritt ausgesucht? Wie ist die Zusammenarbeit mit den Jungs? Können wir auf zukünftige Projekte hoffen?

Wir sind mit Steffen und Thomas ins Gespräch gekommen, als wir sie auf einem Konzert getroffen haben und haben sie gefragt, ob es möglich wäre zusammen zu performen. Wir suchten uns die Songs aus, die nach unserer Meinung am besten funktionieren würden und stimmt dem Ganzen zu. Steffen und ich haben zusammen auch als DJ s gearbeitet und haben vor auch in der Zukunft verschiedene Projekte anzugehen.

Es scheint, als würdest du genau das tun, was dich glücklich macht. Was, außer dem Kreativen macht dich noch glücklich?

Freunde, Familie, meine Kinder – die gewöhnlichen Sachen.

Camouflage und De/Vision sind vor allem bei Live-Shows, zwei komplett verschiedene Pole was die Stimmung angeht. Wie stark beeinflusst oder verändert  ein Performer oder Autor die Kreativität?

Der Charakter einer kreativen Person bildet sich und ist verantwortlich für das Resultat der Kreation – so viel steht fest! Jede kreative Person macht Sachen unterschiedlich als der andere – zumindest hoffe ich das! Als Live Performer unterscheiden sich unsere Bands schon ziemlich. Wegen der Art wie wir uns individuell verhalten. Wir haben auch immer einen Drummer und einen Gitarristen mit dabei, das verändert zusätzlich die Art des Auftritts. Ich muss mich so viel es geht bewegen. Ich muss mich in den Song hinein fühlen, den Song spüren. Deshalb ist meine Performanz anders als die von Steffen, der mehr oder weniger an einer Stelle bleibt.

Wie steht es um die finanzielle Seite der Musik heutzutage? Früher war es ja anders. Wie finanziert man sich heutzutage ein neues Album? Und muss man als Musiker noch anderweitig Geld verdienen oder kann man von der Musik leben?

Wir können von unseren verkauften  Alben nicht leben. Es ist auch schwer von Live Konzerten zu leben, deshalb ist es besser noch andere Jobs nebenbei zu haben um Geld zu verdienen. Zu der heutigen Zeit ist das Geld, das man von der Produktionsfirma für ein Album bekommt nicht einmal mehr ein Zehntel dessen was man vor 20 Jahren noch bekommen hat.

Wieso gibt es so lange Pausen zwischen Camouflage Albums?

Wir brauchen immer sehr lange für die Songs und wir müssen nebenbei noch einen Unterhalt verdienen. Wir haben viele Verantwortungen und können uns nicht immer zu 100 % auf die Musik konzentrieren.

Bist du in der Lage Talente, Texte, Musik zu erkennen ohne zu wissen unter welchen Umständen diese entstanden sind?

Das kommt auf den Song an! Manches mag man einfach mehr und manches weniger.

Wir alle haben das Snippet von eurem neuen Song „End of Words“ gehört und waren begeistert! Über was ist der Song? Der Name ist faszinierend!

In dem Song geht es um die Sprachlosigkeit, die man verspürt wenn man sich die Zustände in Palästina vor Augen hält oder das Flugzeug das über der Ukraine abgeschossen wurde. Auch das Verhalten von Menschen direkt vor Ihrer Haustür. Wir kommen so oft an das Ende dessen, was man mit Worten beschreiben kann. Und darum geht es in dem Song.

Wie aktiv bist du selber momentan?

In Bezug auf Musik bin ich momentan sehr aktiv, da wir das Album fertigstellen müssen und uns auf die Tour 2015 vorbereiten.

Was wirst du nach Camouflage machen?

Ich werde immer Musik machen. Songs schreiben, Texte und Melodien. Außerdem will ich gerne mein Solo Projekt MINE fertigstellen und damit live überall in der Welt auftreten!

Vielen Dank  Marcus, wir wünschen dir und Camouflage gleichbleibenden Erfolg, Glück und dass euch nie die Inspiration ausgeht!