Hallo Stefan, ich freue mich sehr dass Du an unserem neuen Projekt mitwirkst und finde es toll dass Du auch gleich zugesagt hast für ein Interview.

Nach Deinem Ausstieg 1991 aus De/Vision war es sehr lange ruhig geworden um Dich. Du bist quasi in der Versenkung verschwunden.  Dann kam das letzte Jahr, das 30-jährige Jubiläum von De/Vision und die Ankündigung der Band das neben Markus auch Du im Rahmen des „4Plays“ Konzert in Berlin mit auf der Bühne stehen wirst. Die Euphorie bei den Fans war groß, und auch nach den Shows, die Autogrammstunden wurden begeistert aufgenommen. Wie waren die ganzen Eindrücke für Dich im letzten Jahr?

Hallo Marcel, ich freue mich, dass ich einen Teil für dieses Projekt beitragen kann.

Ich fange am besten einmal mit der Stelle an, als mich Steffen anrief und fragte, ob ich Lust hätte, bei dem 30 Jahre Gig mitzuwirken. Ich musste nicht wirklich lange nachdenken, denn nochmal mit den Jungs auf der Bühne zu stehen, zudem noch mit den ersten 4 Alben, lässt eigentlich kein „nein“ zu. Ich fing dann irgendwann mit den Proben an, von Steffen bekam ich freie Hand zum dazu komponieren. Ab Januar/Februar war das abgeschlossen, es mußte nur noch in den Kopf. Die 2 Tage Proberaum in Berlin waren magisch, wirklich. Es fühlte sich an, als wäre es nie anders gewesen, wie damals als der Proberaum in meinem Keller war. Dann war es soweit, der Tag des Auftritts. Der Soundcheck, endlich mal wieder auf der Bühne stehen, nach 27 Jahren Abwesenheit. Als Markus und ich abends an der Columbia Halle ankamen und ich die Menge der Leute vor der Halle sah, wurde mir langsam flau im Magen. So viele Leute war ich von früher nicht gewohnt. Backstage war ich wieder die Ruhe selbst, auch noch als das Intro lief. Als ich dann aber mit den Jungs auf die Bühne ging und ich die vollen Ränge sah .... vor lauter Nervosität hatte ich Mühe, bei den ersten 1-2 Liedern die Tasten zu treffen. Das Konzert selbst ging leider viel zu schnell vorbei. Dann ging es zur Autogrammstunde und was mich da erwartete, hat mich völligst überrollt. So viele mir noch unbekannte Menschen, so viele Eindrücke, der Wahnsinn.

 

Die Fans haben Dich sehr ins Herz geschlossen, Du hast sehr viele neue Gesichter kennengelernt. Ich weiß dass Dich eine Begegnung, vor allem jetzt im Nachhinein, sehr bewegt hat und tief in deinen Erinnerungen bleiben wird. Micha, den wir alle als herzensguten, tollen Menschen kennenlernen durften. Sein Verlust wiegt für uns alle schwer. Kannst Du Dich noch an deine Begegnung mit ihm im letzten Jahr erinnern?

Im April hatte ich Micha nur kurz gesehen, wir machten ein Foto bei der Autogrammstunde. Eins, zwei kurze Worte waren das nur. Danach erzählten mir Thomas und Steffen noch etwas von ihm. Im Dezember dann wollte ich euch alle etwas näher und besser kennenlernen. Ich bin dann vor dem Einlass zum Bus von Michael gelaufen, wo ich auch freundlich empfangen worden bin. Dort habe ich mich mal in Ruhe etwas mit Michael unterhalten und sofort gemerkt, was für ein klasse Mensch er ist. Ich habe ihm noch ein paar Platten und CDs signiert. Später, als ich mich am Merch Stand ein wenig umgeschaut habe, sahen wir uns wieder. Er fragte mich im Scherz, ob mir noch eine CD fehlen würde. Als ich das bejahte und erwähnte, dass mir die „Brothers in arms“ noch fehlen würde, bestand er darauf, sie mir zu kaufen. Er war nicht davon abzubringen. Ich bestand aber meinerseits auf eine Widmung von ihm. „Vielen Dank, mein Freund. Michael“ steht nun auf meiner CD, die ich

in Ehren halten werde. Als ich dann erfuhr, dass er von uns gegangen ist, war ich tief betroffen. Ich kannte ihn wahrscheinlich von allen am kürzesten, bin aber froh, ihn kennengelernt zu haben. Ich hätte ihn gerne schon früher gekannt.

 

Gibt es jemanden, mit dem Du gern einmal zusammenarbeiten möchtest oder könntest du dir überhaupt vorstellen in der Richtung nochmal was zu machen?

Ich habe mir wieder ein paar Sachen zum Musik machen

zugelegt. Ich habe beim Proben für die Konzerte zuhause

gemerkt, wieviel Spaß es mir noch immer macht. Ich glaube,

sowas wird man auch nicht mehr los.

Ich mache aber erstmal Musik nur für mich alleine.

 

Zu Deiner Zeit mit De/Vision und der heutigen Zeit liegen nicht nur etliche Jahre dazwischen, auch hat sich das Musikgeschäft in dieser Zeit völlig verändert. Was hat sich deiner Meinung nach in dieser Zeit am meisten verändert?

Was sich auf der kompositorischen Seite auf jeden Fall verändert hat, sind die jetzigen Möglichkeiten mit den ganzen Software Synthesizern und den dazugehörigen Sequenzer Programmen. Wenn ich überlege, wieviel Geld wir damals für Instrumente ausgegeben haben.... Das ist um einiges einfacher geworden.

 

Auch das Internet brachte viele Umbrüche. Einerseits nutzen Künstler Plattformen wie YouTube und Facebook. Andererseits kaufen weniger Leute CDs, weil sie die Musik zwar illegal, aber kostenlos downloaden können. Wie siehst Du diese Entwicklung?

Tja, das Internet.... ein zweischneidiges Schwert. Früher hatte man Angst, die Leute würden von Vinyl auf Kassette kopieren und weitergeben. Heute hätte man wahrscheinlich gerne wieder solche Probleme. Auf der anderen Seite bin ich mir sehr sicher, dass wir, hätte es YouTube und Facebook damals gegeben, bestimmt bekannter geworden wären. Ich selber habe viele neue Bands durch Facebook erst überhaupt kennengelernt, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe. Was das streamen angeht - ich muss mich hier outen, ich streame nur noch. Ich habe überhaupt keinen CD Spieler mehr, keinen Plattenspieler - gar nichts. Nicht mal im Auto. Aber dadurch lernt man so viele Bands kennen, es ist einfach der Wahnsinn.

Wenn du an die damalige Zeit mit der Band zurückdenkst, gibt es besondere Anekdoten aus dem Studio oder während der Konzerte die dir in Erinnerung geblieben sind?

Da gibt es so viele Dinge... Die vielen, vielen Stunden in unserem Proberaum bei mir im Keller inkl. Kuchen essen. Die ersten Konzerte, bei denen wir nach fast jedem Lied die Midi Kabel umstecken mussten, weil wir unsere Drummachine als Sequenzer benutzt haben. Bude voll und die Stimmung sehr, sehr gut. Es war schon eine interessante und schöne Zeit damals.

 

Was hat diese Goldene Krone an sich, dass ihr dort so oft präsent ward? Inzwischen hat sie ja einen gewissen Kult Charakter, kaum jemand in der Region der dort nicht gefeiert hat oder ein Konzert besucht hat. Selbst NINA hatte dort kürzlich ein Konzert im Rahmen der Synth/Retrowave Party.

Tja, gute Frage. Um es ein bisschen zu vereinfachen - es gab sonst keine große Alternative, was das Auftreten in der Gegend anging. Die Krone hat einen ganz eigenen Flair, wenn man es freundlich ausdrücken will. Dennoch bin ich sehr dankbar, dass sie uns damals die Chance gegeben haben. 

 

Welche Musik hörst Du aktuell eigentlich gerade so und besuchst Du auch regelmäßig Konzerte?

Im Moment höre ich eigentlich nur noch elektronische Musik. Die frühen DM, Erasure, D/V natürlich u.s.w. Auf Konzerte gehe ich nicht mehr großartig, liegt aber auch mit der Lage hier zusammen. Würde ich im Osten wohnen, würde ich wahrscheinlich mehr Konzerte besuchen.

 

Was sind Deine Lieblingssongs bzw. Alben von De/Vision?

Das könnte länger dauern jetzt. Jede Zeit hat ihre schönen Lieder. Angefangen mit den alten, bei denen ich noch mitwirkte. Da kann ich mich kurz fassen, ich mag sie alle. Von „A Letter“ bis „When i go“. In der Zeit bis zur Trennung mit Markus sind es im besonderen „Dress me when i bleed“, „Sweet life“ und „New drug“. „Unversed in love“ und „Fairyland“ was die Alben angeht. Danach wird es schwer, was die Lieder angeht, aber bezüglich der Alben sind es ganz klar „6 feet underground“, „Citybeats“ und mein Lieblingsalbum „13“.

 

Für mich persönlich auch ein immer wieder sehr interessantes Thema sind die Alben- bzw. Single-Cover. Hast Du da ein paar persönliche Lieblingsmotive?

Mein Lieblings Albumcover ist „Unversed in love“, Singlecover „Brothers in arms“ 

 

Zum Schluss noch zwei persönliche Fragen: Jeder weiß, dass Du ein guter Musiker bist. Hast Du noch andere versteckte Talente?

Versteckte Talente... keine Ahnung. Das müssen andere beurteilen. Ich bin vielleicht handwerklich nicht gerade der Unbegabteste.

Gibt es noch einen Traum, den Du Dir erfüllen willst?

Musikalisch gesehen würde ich gerne nochmal auf der Bühne stehen und vielleicht einmal eine eigene CD veröffentlichen.

Stefan, ich danke Dir sehr für die Zeit die Du Dir für uns genommen hast, und wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe! Die letzten Worte gehören Dir. ;)

Ich würde mich auf diesem Wege gerne nochmal bei euch für eure Unterstützung bei den beiden 30 Jahre Konzerte bedanken. Es ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen und ich werde die beiden Wochenenden nicht vergessen. Vielen Dank dafür und unterstützt die Jungs auch weiterhin so gut, wie ihr es all die Jahre schon macht.