Im Interview: Sören Zimmerman (Bühnenaufbau)

von Marcel / 25.04.2023

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Wenn Zuschauer auf eine beeindruckende Vorstellung zurückblicken, denken sie meist an die Musiker und die Setliste. Dabei ist das Backstage-Personal und die richtige Kulisse mindestens genauso wichtig für ein stimmiges Gesamtwerk. Denn hinter der opulenten Konstruktion steckt mehr Arbeit, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Eher selten fragt sich jemand, wer so eine Bühne aufbaut, wie lange so etwas eigentlich dauert und wieviel Material nötig ist.

Doch wer entscheidet eigentlich über das Design und wie entsteht das Bühnenbild, bis es die Zuschauer schließlich in eine andere Welt entführt? Sören Zimmermann, begleitet seit vielen Jahren Bands wie De/Vision, Mesh aber auch oder auch Aesthetic Perfection. Wir sprachen mit Sören über seine Arbeit im Bereich des Bühnenaufbau.

Hallo Sören, erzähl uns mal ein wenig über Dich.

Hallo Marcel, soviel spannendes gibt es da gar nicht. Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und arbeite hauptberuflich bei der Deutschen Bahn.


Dein Hauptaufgabengebiet bei Konzerten und Festivals ist der Bühnenaufbau. Seit wann machst Du das und wie bist Du dazu gekommen?

Das weiß ich tatsächlich noch genau. Meine erste Tour war im Jahr 2000 mit In Strict Confidence.

Die Tour lief schon 3 Tage als mich Jan (Jan Winterfeld von Pluswelt) bei der Arbeit anrief und fragte, ob ich ab morgen Urlaub nehmen könnte um bei der restlichen Tour die Crew zu unterstützen.

So nahm das Elend seinen Lauf! (lach)

 

Neben dem Auf- und Abbau von Bühnen gibt es auch noch die Montage jeglicher Licht- und Tontechnik. Wie viele Leute sind im Durchschnitt für den Bühnenaufbau zuständig und wieviel Zeit wird benötigt, bis es heißt „Bühne steht“ und wie geht man mit dem Zeitdruck um?

Also das ist unterschiedlich und von der Größe der Produktion abhängig.

Bei einer kompletten mesh Tour sind wir in der Regel 1 Lichttechniker, 1 Tontechniker, 1 Backliner und ein „Mädchen“ für alles. Hinzu kommen dann noch die Techniker vom Haus/Club, meistens ebenfalls ein Lichttechniker und ein Tontechniker plus evtl. Stage-Hands.

Was den Zeitdruck angeht, ist es eigentlich wie in jedem Beruf wo Termine im Spiel sind.


Was ist für Dich das Faszinierende am Bühnenaufbau?

Eigentlich der ganze Entstehungsprozess. Gerade wenn auch viel Licht und LED´s im Spiel sind, wie dann so langsam das Bühnenbild entsteht


Ist auch schon mal etwas richtig schief gegangen? Wenn ja, was?

Bei uns klappt immer alles (lach)!

Nein im Ernst, klar kommt immer mal etwas Unvorhergesehenes vor. Einmal hatten die Musiker auf der Bühne vollen Sound wie es sein soll, aber der Sound für das Publikum war nicht da. Das bekommen wir auf bzw. neben der Bühne gar nicht mit und der Tontechniker hat Stress.


Was ist Deine schönste Erinnerung an eine Veranstaltung?

Die sitzt jeden Morgen mit mir in der Küche

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Was für Musik hört Du so und wenn Du privat auf Konzerten unterwegs bist, checkst Du manchmal unbedacht die Bühnenaufbauten oder lässt Du Dich teilweise sogar inspirieren?

Da bin ich, wie viele andere auch, mit Depeche Mode groß geworden und höre sie bis heute.

Ansonsten bin ich musikalisch tatsächlich in der „Schwarzen Szene“ zu Hause. Aber auch Metal höre ich gerne.

Tatsächlich erwische ich mich oft dabei, wenn ich privat bei Konzerten bin, dass ich den Aufbau „begutachte“. Da kann man immer noch etwas lernen, gerade bei großen Produktionen.

 

Kannst Du ungefähr erahnen, wie viele Kilometer bei Dir im Jahr zusammenkommen für die Reisen zu den Konzerten und Veranstaltungen, von der Lauferei während eines Events ganz zu schweigen.

Uh, da kommt einiges zusammen, aufs Jahr gesehen kann es schon im unteren 5-stelligen km Bereich liegen. Zum Glück muss ich selten selbst fahren.

Die Lauferei ist ja dank moderner Technik nachvollziehbar, 15 bis 20k an Schritten sind da keine Seltenheit und da hat man das Gelände meist nicht verlassen.


Die Pandemie hat nicht nur die Künstler in den Vergangenen Jahren schwer belastet, nein vor allem auch die Mitarbeiter hinter den Kulissen. Wie war für Dich die Zeit rückblickend?

Ich hatte und habe das große Glück, mich ja in einer Festanstellung zu befinden, die sich als krisensicher bewiesen hat.

Aber andere, die von dem Geschäft leben, hat es wirklich hart getroffen und so manche finanzielle  Rücklage ist dabei draufgegangen.

Leider ziehen sich die Nachwirkungen teilweise noch bis heute. Sei es Personalmangel bei den Technikern, der Localcrew oder auch den Busfahrern der Nightliner.                                                   Hinzu kommt, dass viele ihre Tickets nicht mehr lange im Voraus kaufen, was die Planung für Veranstalter und Künstler extrem schwierig macht und daher nicht selten zu absagen oder Verschiebungen führt.


Was wünscht du Dir für die kommenden Jahre?

Gesundheit und Frieden


Sören, wir danken Dir sehr für das Gespräch!

Es war mir eine Ehre!


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Fotos:

Helge Roewer