Im Interview: Daniela Vorndran

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Dieses Mal haben wir mit Daniela Vorndran, über ihre Arbeit in der Konzertfotografie und ihrem Online Magazin Reflections of Darkness gesprochen. Auf den Social-Media-Kanälen ist sie auch bekannt unter Black-Cat-Net und begeistert dort viele User mit Liveaufnahmen zahlreicher Szenekünstler.

Liebe Daniela, es freut uns sehr, dass wir Dich für dieses Interview gewinnen konnten. Legen wir am besten gleich los. Du fotografierst schon seit Deiner Kindheit, und seit vielen Jahren hauptsächlich im Rahmen der Konzertfotografie. Auf Deiner Website schreibst Du, dass Depeche Mode 1998 der Auslöser gewesen waren.

Ja, das ist richtig. Zumindest für die Konzertfotografie war es Depeche Mode, die den Ausschlag gaben. Fotografiert habe ich schon, seit ich als Kind von meinem Papa eine Kamera geschenkt bekommen habe. Und dann, als – sehr spät – 1998 mein erstes DM Konzert kam, wollte ich das natürlich festhalten. Kleiner Fotoapparat, Film und dann auch noch kurz vor Beginn der Kreislauf versagt. Denkbar schlechte Voraussetzungen. Aber ich habe es trotzdem versucht. Ich glaube, es war vielleicht ein Bild dabei, wo man Martin Gore erahnen konnte. Also ein kompletter Reinfall. Mein Ehrgeiz war geweckt und ich habe auf alle Konzerte, die folgten, erst meine kleine Filmkamera und später meine erste kleine Casio mitgenommen. Nach und nach wurden dann die Bilder besser und erste Bands fingen an, die Bilder zu verwenden. Damals noch alles ohne Social Media. Ich knüpfte immer mehr Kontakte, bekam erste Fotopässe… und so kam das ganze dann ins Rollen. 2004 lernte ich dann ein paar Leute aus den Niederlanden kennen, die gerade dabei waren, ein Webzine – Reflections of Darkness – aufzubauen und ich stieg ein. Heute ist von den Leuten keiner mehr dabei und ich bin Chef von dem Laden 😉

Als leidenschaftlicher Depeche Mode Fan durftest Du die Band auch schon häufig fotografieren. In diesem Jahr geht die Band wieder auf Tour, es gibt nicht wenige, die zuletzt eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatten. Deine Gedanken zu Depeche Mode als Fan und als Fotografin.

Als Fan war ich seit 1984 mit dabei, noch bevor ich überhaupt 10 Jahre geworden bin. Seitdem war die Band ein fester Bestandteil in meinem Leben. Ich habe unglaublich viele Freundschaften durch DM geschlossen, beste Freunde, die heute aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Durch gute und schlechte Zeiten hat mich die Band begleitet, es gibt aber auch für jeden Moment einen Song. Es gibt doch nichts Schöneres, wenn man durch Zufall in der Werbung oder im Radio mal einen DM Song hört und einfach nur breit grinsen muss und einem ein wohliger Schauer den Rücken runter läuft. Als Fotografin war und ist es immer wieder ein besonderer Moment für mich, die Band vor der Kamera zu haben. Ich werde nie die Aufregung vor meinem ersten DM Konzert im Graben vergessen, wie nervös ich war und die Angst, dass die Bilder nichts werden, dass irgendwas schief geht. Es klappte natürlich alles und ich war der glücklichste Mensch der Welt. Jedes Konzert, dass ich fotografieren darf, ist immer noch etwas Besonderes für mich. Und ich hoffe, das hört nie auf…

 

Gibt es ein besonders ergreifendes, tolles oder sogar mieses Erlebnis in Deiner Zeit als Fotografin, welches Du mit Sicherheit nie vergessen wirst?

Toll war zum Beispiel der Moment, als Anne Haffmans von Mute Records mich anrief, ob ich ein Meet & Greet von Depeche Mode fotografieren kann. Wie ich da in Berlin, wo ich am Abend vorher das Konzert gesehen habe, durch die Wohnung einer Freundin gesprungen bin, kann man sich nicht vorstellen. Tags darauf war ich sehr früh an der Arena in Oberhausen, saß lange Backstage rum und habe gewartet. Dann das Meet & Greet fotografiert und ein dankbares Händeschütteln von der Band bekommen. Das war schon ein Erlebnis. Der Fotoauftrag zur Pressekonferenz in Mailand zur letzten Tour oder zur kommenden Tour in Berlin war auch etwas Besonderes. Mies war dagegen mein erstes Mal, dass ich Marilyn Manson fotografiert habe. Ist ein paar Jahre her. Palladium Köln. Ein Song. Schon vor dem Konzert wurde so viel Nebel auf die Bühne geblasen, dass man nicht mal mit Taschenlampe den Weg in den Fotograben finden konnte. Und dann hatte Mr. Manson nur ein paar LEDs an den Fingern und das war alles an Licht. Und dann war das Konzert damals nicht mal gut. Man kann es sich eben nicht aussuchen.

 

Gibt es etwas während der Arbeit, was Dich beschäftigt oder nervt?

Mich nerven zu viele Regeln manchmal… nur 1 Song, Fotografieren vom Mischpult oder noch weiter weg, nur aus einer Ecke des Grabens, Kamer weg bringen nach dem Fotografieren oder das Konzert selbst gar nicht mehr sehen dürfen… das sind alles solche Sachen, die das ganze manchmal etwas anstrengend machen. Fotoverträge sind auch nicht immer nett, besonders, wenn man die Rechte an den Bildern unentgeltlich abtreten soll. Aber insgesamt macht es immer noch Spaß. Ich liebe es aber momentan mehr, in kleineren Clubs zu fotografieren, wo ich alle Freiheiten habe und meiner Kreativität freien Lauf lassen kann.


Welches Deiner Konzertfotos ist Dir besonders gut gelungen?

Da möchte ich mich gar nicht auf ein spezielles Foto festlegen. Meisten gelingen mir die Bilder bei Bands besser, wo ich die Musik auch mag. Ich liebe einige der DM Bilder, aber auch viele von Diary of Dreams oder Zweite Jugend, die ich als Bandfotografin belgeiten darf.


Ist die Fotografie ein konservatives Handwerk? Immerhin konserviert, also erhält der Fotograf den Augenblick für die Ewigkeit.

Auch wenn man Momente festhält, würde ich es nicht als konservativ bezeichnen. Nicht nur, dass man für viele Leute persönlich wichtige Momente festhält, die Fotografie verändert sich auch ständig. Nicht nur die Rahmenbedingungen, auch die Technik. Von Dingen wie Social Media ganz zu schweigen.


Was denkst Du, wie sich die Position von Frauen im Musikbusiness – und speziell in der Fotografie – in den letzten Jahren verändert hat? Hast Du im Speziellen bei Deiner Arbeit eine Art “Turning Point” erlebt?

Ich habe eher die Erfahrung, dass sich die Position der Frau, speziell in der Musikfotografie, nicht merklich verändert hat. Gerade bei größeren Shows gibt es immer noch recht wenige Frauen im Graben. Dafür ist das Miteinander unter den FotografInnen meist sehr kollegial und Frau wird behandelt wie jede/r andere. Was da aber auch gerne mal heiß, es geht mit harten Bandagen zugange. Gerade wenn viel Tagespresse im Graben ist, musste ich mir mein Ansehen schon hart erkämpfen und es dauerte teilweise lange, bis ich akzeptiert wurde. Ich glaube aber, das geht in dem Bereich allen Neulingen so. Einen Wendepunkt in dem Sinne gab es nicht.

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Wie nimmst Du die Arbeit Deiner männlichen Kollegen wahr und gibt es Bereiche, in denen Du Dich benachteiligt fühlst? Was denkst Du, sind die Gründe dafür?

Benachteiligt fühle ich mich manchmal wegen meiner Größe. Oder eher nicht vorhandenen Größe. Das macht es bei großen/hohen Bühnen manchmal schwer. Meine männlichen Kollegen sind in der Regel doch um einiges größer. Sonst habe ich noch keine Benachteiligung erfahren. Oft ganz im Gegenteil, da hat man doch manchmal den Frauenbonus, gerade auch im Umgang mit der Security. Da hat man manchmal den Eindruck, man löst ein Helfersyndrom aus. Aber dagegen habe ich nichts. Das ist manchmal ein kleiner charmanter Nebeneffekt. Im Großen und Ganzen wird jeder gleichbehandelt und das ist ja auch gut so.


Wenn Du an die vergangenen Jahre zurückdenkst, die Corona Pandemie, – was hat das für Dich im Hinblick aufs Fotografieren verändert?

Für mich hat das im Hinblick auf Fotografie so viel verändert, dass ich nicht mehr jedes Konzert mitnehmen muss. Ich wähle mehr aus. Will mich nicht mehr so stressen und unter Druck setzen. Will auch andere Dinge in meiner Freizeit genießen, Zeit für meine Freunde haben und vor allem für meinen Freund. Das kam in den Jahren vor Corona oft zu kurz. Vom wenigen Schlaf ganz zu schweigen. Ich achte heute mehr auf mich und genieße die Konzerte, die ich dann mache, mehr als vorher. Im Sommer hatte ich bei den vielen Festivals gemerkt, dass dann danach ziemlich die Luft raus war. Ein Pensum, was ich früher ständig hatte. Keine Ahnung, wie ich das damals geschafft habe. Konzertfotografie ist für mich nicht nur ein Job. Ich genieße und liebe Musik und das will ich heute auch wieder mehr auskosten. Das ging leider früher etwas verloren. Von daher war die Pandemie gar nicht so schlimm für mich.


Gibt es Wünsche, die Du in Deinem Beruf als Fotografin noch verwirklichen willst?

Auf jeden Fall. Es gibt da noch ein paar Bands, die ich gerne mal noch fotografieren will. Muse zum Beispiel oder Metallica… oder Nine Inch Nails. Irgendwie kam da bisher immer was dazwischen. Ansonsten würde ich gerne wieder mehr direkt mit Bands zusammen machen. Mit auf Tour gehen, Videos begleiten. Da wird auch einiges kommen, ein paar Sachen sind da schon in Planung. Da Fotografie an sich nicht mein Beruf ist, sondern nur ein sehr ausgedehntes Hobby und Nebenjob, will ich mir da auch keinen Druck machen und die Dinge tun, die mir da auch Spaß machen.


Neben Deinem Hauptjob und der Fotografie betreibst Du seit Ende 2004 auch das Online Magazin Reflections of Darkness (www.reflectionsofdarkness.com), wie kam es dazu und kannst Du uns etwas über Deine Arbeit für das Magazin erzählen.

Wie es dazu kam, habe ich ja kurz eingangs erwähnt. Als ich 2004 einige musikverrückte HolländerInnen traf, war für mich schnell klar, dass ich bei dem geplanten Onlinemagazin mit einsteigen würde. Die Aufbauarbeit war schwer. Man musste sich erst einmal einen Namen machen und auch Leute begeistern, beim Magazin mitzumachen. Ich hatte durch meine Fotografie in Deutschland zum Glück schon ein paar Kontakte, auf die man aufbauen konnte. Besonders schwierig war es hier in Deutschland, Leute zu finden, die auch bereit waren, in Englisch zu schrieben. Da das Magazin international aufgestellt ist und Leute aus vielen Ländern mitmachen (z.B. Polen, UK, Ukraine, Frankreich, Luxemburg, Niederland oder Norwegen), war aber klar, dass die Sprache nur Englisch sein konnte. Nachdem bis auf mich selbst alle Gründungsmitglieder irgendwann weg waren, da sich das Leben aller doch massiv geändert hatte, war ich alleinige Chefin. Das bedeutet dann täglich mehrere 100 Emails im Postfach, Promos im Briefkasten, Kontakt zu Promotern und Labeln, Organisation der Crew für alle Themen, die so anfallen, Korrektur lesen von Artikeln usw. Eigentlich mehr als ein Fulltime-Job. Man muss dann Abstriche machen und für sich selbst entscheiden, wie weit man gehen will. Früher ging nahezu meine komplette Freizeit für Magazin und Fotografie drauf. Heute halte ich mich da selbst etwas zurück. Die Gefahr auszubrennen ist doch immens.


Ein unglaubliches Pensum alles, schaffst Du es auch einfach mal zu sagen „heut mach ich einfach mal nichts“ oder brauchst du diesen sprichwörtlichen Adrenalin-Schub?

Wie gerade schon angedeutet, kann ich heute auch mal nein sagen. Frühe war es in der Tat so, dass ich zum einen immer was zu tun brauchte und zum anderen auch dachte, einige Themen MÜSSEN einfach abgedeckt werden und wenn sich keiner aus der Crew dafür fand, habe ich das eben selbst gemacht. Was oft sehr kurze Nächte bedeutete. Irgendwann muss ja alles neben dem Job auch fertig werden. Heute muss ich nicht mehr jedes Thema machen. Erholung und Gesundheit sind mir da wichtiger. Außerdem gibt es da auch einen Freund, mit dem ich Zeit verbringen will, oder Freunde, die in der Vergangenheit leider oft viel zu kurz kamen. Ich bin froh, dass mir das keiner krummgenommen hat und auch heute bei Terminplanungen sehr auf meinen Zeitplan geachtet wird. Das ist nicht selbstverständlich und ich bin sehr dankbar dafür. Zum Abschalten bin ich heute einfach auch mal gerne in der Natur oder konzentriere mich aufs Kochen. Man kann einfach kein Leben zwischen Konzerthalle und Computer führen.


Was treibst Du denn abseits der Konzertfotografie noch so, was interessiert Dich?

Zum einen beschäftige ich mich sehr viel mit Ernährung und koche auch sehr gerne. Das Ganze findet sich dann auch zu einem großen Teil auf meinem Instagram Kanal @blackcatnet, der sich durch die Corona Zeit ziemlich gewandelt hat. Ich habe inzwischen diverse Kooperationen und gehe da auch ziemlich drin auf. Ich wandere sehr gerne, sammle Wildkräuter, treffe gerne meine Freunde und gehe gerne tanzen. Außerdem lese ich gern und schaue auch gerne mal einen Film oder eine Serie. Mein Freund ist auch im Musikbusiness tätig und da sind wir natürlich auch viel zusammen unterwegs. Auch wenn ich bei Magazin und Fotografie etwas kürzer trete, langweilig wird mir nie. So richtig einfach nur die Füße hochlegen, kann ich auch nicht. Irgendwie muss ich immer etwas tun.

 

Welche Pläne hast Du für Deine fotografische Zukunft?

Viel mehr Sachen machen, die mir wirklich Spaß machen. Zum Beispiel mal wieder öfter ein Promoshooting, auf Tour mitfahren, Livefotos direkt für Bands machen, wo man sich richtig austoben kann. Von diesem 3-Songs-und-wieder-raus habe ich ein bisschen die Nase voll.


Welche Künstler oder Bands hörst Du privat am liebsten?

Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass ich seit sehr vielen Jahren (fast 40 um genau zu sein) Depeche Mode Fan bin. Mit Diary of Dreams verbindet mich auch mehr als nur die Fotografie und eine langjährige Freundschaft. Ich liebe die Musik. Sonst geht es ziemlich quer Beet… von Diorama über Nine Inch Nails zu Zweite Jugend und Skinny Puppy, von Archive zu Anathema und Katatonia zu einer ganzen Reihe Post Punk Bands, die ich sehr gerne mag. Nitzer Ebb spielen auch noch ganz weit vorne mit. Ich freue mich da auch immer, Neues zu entdecken. Bin da immer über Empfehlungen dankbar.


Liebe Daniela, wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Dir alles Liebe und weiterhin viel Spaß in Deinem kreativen Schaffen. Das letzte Wort gehört Dir.

Vielen Dank, es war mir ein Vergnügen. Auf dass es immer Musik und Livekonzerte geben wird.


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Fotos:

Daniela Vorndran

Links:

www.black-cat-net.de

https://www.reflectionsofdarkness.com/