Im Interview: Frank Zörner (Lichtoperator)

 von Marcel / 12.05.2023

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Der Lichtoperator-Job ist schwierig zusammenzufassen. Während sich gewisse Leute um die Lichtsteuerung am Abend selbst kümmern, helfen andere zusätzlich bei der Konzipierung des ganzen Lichtsystems im Club, und wiederum andere entwickeln ganz eigene Lichtsysteme, welche sie dann in den Club bauen und bespielen.

Doch auch hinter diesen Aufgaben steckt einiges mehr an Arbeit, als sich viele denken. Deshalb haben wir mit Frank gesprochen, einem DER Lichtkünstler der Szene, und uns etwas genauer über diesen Job informieren lassen.

 

Hey Frank! Viele kennen Dich über die Jahre schon als DJ und als Mann fürs Licht unter dem Pseudonym Crockslights. Für alle, die Dich noch nicht kennen, erzähl uns doch ein wenig von Dir. Wie kam es dazu, dass Du DJ und Lichtmann geworden bist?

DJ bin ich seit 1990, wo es nach der Wende ohne Probleme möglich war, denn in der DDR war das reglementiert und nur mit Prüfung möglich. Und das Licht kam dazu, als mal jemand krank geworden ist in der Disco, und dann ging das eigentlich relativ schnell, dass auch die erste Band fragte.


Für welche Bands hast Du schon alles das Licht gemacht?

Oh das wird ne lange Liste, deshalb will ich mich mal auf 10 beschränken.

  1. London after Midnight
  2. Eisfabrik
  3. Solitary Experiments
  4. Camouflage
  5. Gulvoss
  6. Funker Voigt
  7. RROYCE
  8. And One
  9. Forced to Mode
  10. Melotron

Ansonsten viele Tourproduktionen wie World of Musical, Frank Sinatra Show etc.


Bekommst Du vorab die Setlist und erarbeitest eine individuelle Lichtshow oder läuft das hin und wieder auch spontan ab?

Beides ist möglich und dafür bin ich auch bekannt, dass man mich ans Pult stellen kann ohne die Band vorher gehört zu haben und gutes Licht mache. Das zeichnet z.B. auch Rene Junge aus. Aber am liebsten weiß ich gerne vorher was kommt und kann mich vorbereiten, damit z.B. die Farbstimmung zum Song passt.


Passt Du die Lichteffekte an jeden Gig an? Glaubst Du, dass Lichteffekte beim Tanzen in den Clubs eine große Rolle spielen?

In gewisser Weise ja, je nachdem, was an Effekten verfügbar ist, da die wenigsten Bands der Szene mit eigenem Lichtbesteck auf Tour fahren.

Ich finde, Licht ist ein wichtiger, emotionaler Teil eines Songs, live als auch in der Disco.

 

Was war Dein coolstes Erlebnis als Lichtoperator?

Als mal nach einem Konzert einige Gäste sagten, dass das Licht beim Support, den ich betreut habe, um längen besser war als beim Headliner, das bringt mir ab und zu doch immer mal wieder etwas Schmunzeln ins Gesicht, wenn ich daran denke.

Oder Mera Luna 2018, wir waren gerade mit London After Midnight fertig und im Backstage besuchte uns Keith Flint, ich kannte ihn ja schon länger von den vorausgegangenen Tourneen, wo ich mit dem Fanclub die Aftershowpartys organisiert habe. Ein wirklich liebenswerter Zeitgenosse und leider auch das letzte Mal, dass ich ihn lebend sah.

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Wenn Du mal privat auf Konzerten unterwegs bist, kannst Du die Shows auch richtig genießen und einfach mal abschalten oder checkst Du auch ein wenig, ob der Kollege vom Licht seine Arbeit gut macht?

Um ehrlich zu sein, das fällt mir schwer, ganz abzuschalten. Ich hole mir viel Inspiration und schaue, was die Kollegen machen, da man sich ja nicht wiederholen möchte. Ansonsten setze ich mich gern neben die Bühne und lausche der Musik.


Auch als DJ hast Du Dir über die Jahre einen Namen in der Szene gemacht. Durch Deine lange Erfahrung weißt Du, worauf es ankommt – was macht Deiner Meinung nach einen wirklich guten DJ aus?

Eine gute Dramaturgie und Mischung. Es hilft dir nichts, wenn du 4 Stunden eine volle Tanzfläche hast, aber der Club nix verdient. Also musst du als DJ auch dafür sorgen, dass der Gast mal zur Bar geht oder aufs Klo kann, ohne seine Hits zu verpassen.


Gibt es Auftritte, die Dir in Erinnerung geblieben sind? 

Ja, And One Tour 2011. Da habe ich mich mit Steve ordentlich in die Haare bekommen und bin nach 4 Gigs gegangen. Heute lachen wir drüber und verstehen uns super.

Oder Tourneen, die nicht bezahlt wurden, gab es auch schon, aber das ist Lehrgeld.


Du bist auch großer Depeche Mode Fan. Durch die Liebe zur Musik bist Du auch als Produktionsleiter / Backliner bei Forced To Mode tätig. Wie kam es denn dazu?

Ich habe 2015 das erste Mal Licht für F2M gemacht, da waren die Jungs noch relativ frisch und klein. Und so habe ich ab und zu, so wie es die Gage hergab, die Band beleuchtet und es wurde eine gute Freundschaft daraus. 2018 wollten sie aber jemand Festes, der immer dabei ist, und das ging bei mir aber wegen der anderen Bands nicht. Ich habe dann noch, sozusagen als Abschlussgeschenk, die Videowürfel für die Band gebaut, die sie immer noch nutzen. 2022 rief mich dann Christian an, dass sie gerne jemanden hätten, der sich um die Band kümmert, vor allem um das Videozeugs und ob ich Zeit hätte. Naja, 2022 war nach Corona noch nicht so viel los und so habe ich zugesagt. Wir haben das Videosetup von analog auf digital umgestellt und ich baue den Jungs Special-Bühnenequipment. Seither macht mein Team und ich die Backline und ich kümmere mich um die Produktionsvorbereitungen der Shows und alles Administrative, wenn ich selbst dabei bin, um die Band da zu entlasten.

 

Erzähl uns doch mal ein paar Anekdoten, wenn Du mit der Band auf Tour bist. Wir wollen ALLES wissen 😉

Ich muss an dieser Stelle schweigen, sonst gibts keinen Kuchen mehr. Was auf Tour passiert, bleibt auch da.

Aber grundsätzlich habe ich zu allen, mit denen ich arbeite, ein gutes freundschaftliches Verhältnis und habe da auch sehr großen Freiraum für meine Arbeit. Wenn man sich gegenseitig aufeinander einlässt, freundschaftlich als auch beruflich, funktionierts am besten. Klar gibts hin und wieder unterschiedliche Meinungen und dann spricht man in Ruhe drüber und dann passt es meistens auch.


Dieses Jahr steht auch besonders im Zeichen von Depeche Mode. Für viele war das so gar nicht abzusehen nach der Pandemie und dem tragischen Verlust von Fletch. Deine Gedanken hierzu, als Fan und über die Zukunft der Band.

Ich finde es schön, dass sie weitergemacht haben, aber sage auch, das Thema Depeche Mode ist erzählt. Die Band hat jetzt einen Status, bei dem sie das machen können, was ihnen gefällt und das sollen sie auch, aber das hat mit Depeche Mode, wie ich sie in den 80ern kennen und lieben gelernt habe, nicht mehr allzu viel zu tun, was aber auch nicht schlimm ist. Ich gehe trotzdem immer noch auf 1,2 Konzerte bei jeder Tour. Schade finde ich nur, dass sie verlernt haben, aus ihrem reichhaltigen Backkatalog zu schöpfen und seit 2005 gefühlt die gleichen Lieder spielen. Da wäre viel mehr möglich. Und nicht zu guter Letzt haben sie auch diesmal wieder den Preis für die wirtschaftlich beste Tournee gewonnen. Minimalistisch ist ab und zu mal gut, aber nicht über Jahrzehnte für eine Band dieser Größenordnung. Ich persönlich würde mir zum Abschluss wünschen 1 Stadt – 2 Tage – 2 unterschiedliche Sets mit Songs von 81-2023. Das als Welttournee und dann ab in den Ruhestand. 

Und weil das ein Traum bleiben wird, gibts regelmäßig Partys, wo wir genau das machen. Die Black Swarm in Dresden hat sich mittlerweile zu einem echten Geheimtipp entwickelt.

www.black-swarm.de

 

Frank, wir danken Dir sehr für das Gespräch und wünschen Dir alles Gute!