Im Interview: Dennis Burmeister

Interview mit Dennis Burmeister, einem der Autoren von "Monument", dem Fanbuch über die erfolgreiche Elektronik-Band Depeche Mode und seit vielen Jahren auch mit Steffen und Thomas befreundet.
Hallo Dennis, danke dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Wahrscheinlich ist es in der Form auch das erste Mal, dass man dir keine Fragen zu Depeche Mode stellt.
Hallo Marcel, danke für euer Interesse. Ja, in meinen bisherigen Interviews ging es fast immer nur um Depeche Mode, was unserem Buch “Depeche Mode : Monument“ geschuldet war, welches bereits 2013 erschien und sehr erfolgreich war. Und je erfolgreicher ein Buch ist, desto größer ist auch das Interesse an den jeweiligen Autoren. Ich bin aber nicht wirklich der Typ, der gern Interviews gibt, bzw. in der Öffentlichkeit steht und war eigentlich froh, dass ich mit meinem Freund Sascha Lange aus Leipzig eine recht sympathische Plaudertasche zum Kollegen hatte, der mir viel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit abgenommen hat.
Wer dich kennt weiß, dass dein Musikgeschmack sehr breit gefächert ist: wie bist du eigentlich zur Musik von De/Vision gekommen?
Ich war ab Anfang der 90er als DJ und Veranstalter tätig. Und DE/VISION gehörten neben Depeche Mode, Camouflage und anderen Synthie-Pop-Bands natürlich in jeden gut sortierten CD-Koffer. Mitte der 90er läuteten aber Bands wie Sonic Youth, Nirvana oder die Pumpkins vom amerikanischen Label SUB POP in Europa eine neue Musik-Ära ein. Mein musikalisches Interesse veränderte sich und ich hörte plötzlich auch Bands komplett anderer Genres. Mit Radiohead, Blur und Oasis aus UK hatte man plötzlich Begriffe wie Alternative Rock und Britpop auf dem Zettel. Kurz danach gab es die große Trip-Hop-Bewegung mit Massive Attack, Portishead, Tricky oder Lamb. Das war schon eine unglaubliche Zeit für uns musikinteressierte Jugendliche. Und damals gab es ja noch echtes Musikfernsehen. Man bekam das ganze neue Zeug also ungefiltert über alle Kanäle. Der klassische Synthie-Pop wirkte auf einmal recht verstaubt und hatte vorerst ausgedient. Viele Synthie-Bands wussten zunächst ja auch gar nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Einige blieben ihrem Stil treu, andere gingen musikalisch neue Wege. Ich beobachtete die Entwicklung nicht wirklich, hörte lange Zeit gar keinen Synthie-Kram, zu denen ich z.B. Depeche Mode gar nicht mehr zählte. Irgendwann Anfang 2008 fragte mich mein bester Kumpel, ob wir nicht ´ne Jubiläumsparty für DE/VISION veranstalten wollen, es gäbe da eine Anfrage von Steffen. Also traf man sich in Berlin, lernte sich kennen, war sich sympathisch und arbeitete seitdem hin- und wieder auch mal zusammen.
Du bist ja verantwortlich für das Sleeve-Design des neuen Albums. Wie waren die Hintergründe der Entstehung?
Im Frühjahr des letzten Jahres starteten die Jungs von DE/VISION die Pledge-Kampagne zum neuen Studio-Album "13", welches am 27. Mai 2016 veröffentlicht wird. Zum damaligen Zeitpunkt existierte allerdings nur der recht plakative Album-Titel "13", zu welchem jeder natürlich sofort eigene Assoziationen entwickelt. Und wie zu jeder neuen Veröffentlichung versucht man als Grafiker natürlich, eine visuelle Linie zu finden, welche im direkten Bezug zum Inhalt steht. Zumindest sollte es so sein. Da sich das Projekt musikalisch aber noch in der Frühphase befand, gab es lediglich die Idee, eine markante aber neutrale Wort-Bild-Marke zu entwickeln, welche sich vorab zur Promotion des Albums eignen könnte. Hierzu gab es zwei japanische Schriftzeichen, welche eigens von einem japanischen Schriftmeister in Berlin auf Pergament angefertigt wurden und die numerische Zahl 13 darstellen. Allerdings stand für mich auch schon recht früh fest, die Bandmitglieder bei der visuellen Umsetzung des Sleeve-Designs wieder mehr einzubeziehen, auch wenn sich die Freude darüber bei der Band zunächst in Grenzen hielt.
Nachdem ich dann die ersten Rohfassungen der Songs sowie die Texte bekam, wurde mir sehr schnell klar, dass der Band mit "13" ein großartiges Album gelungen ist. Wie ich vor einigen Tagen bereits auf Facebook bemerkte, ist "13" für mich das perfekte Synthie-Pop-Album, ohne überflüssige Ausflüge in Genre-Schubladen. Das Album beinhaltet sperrige Nummern, großartige Balladen aber auch klassische, melodieorientierte und absolut radiotaugliche Popsongs, die jeden Synthie-Popper in Ekstase versetzen werden.
Mein Sleeve-Design soll die Grundstimmung des Albums wiedergeben. Und es soll dabei genauso schnörkel- und kompromisslos sein, wie es die Songs auf dem Album sind. Ich machte mich also erstmal auf die Suche nach einer Location, die visuell stellvertretend für das Album als "Raum" stehen sollte. Ich suchte nach großen, weiten aber gleichzeitig auch geschlossenen Räumen, in denen man alle möglichen Gegensätze findet: Licht und Schatten, natürliches und künstliches Licht, warme und kalte Farben, Ordnung und Unordnung, Vergangenheit und Moderne usw. … Eine gute Freundin empfahl mir daraufhin eine große Fabrikanlage mitten in Berlin, die in der Vergangenheit bereits von Künstlern wie SIDO oder Max Herre für deren musikalische Projekte genutzt worden war.
Für die Umsetzung meiner Ideen konnten wir den slowakischen Fotografen M. Kucera gewinnen, der mir von der befreundeten Grafik-Design-Agentur HELLOGRAPH aus Potsdam empfohlen wurde. Ich wollte einen Fotografen, der künstlerisch und grafisch möglichst aus einer ganz anderen Richtung kam, mit Synthie-Pop oder elektronischer Musik zuvor noch nichts zu tun hatte und dadurch eventuell einen neutralen Blick auf die Band ermöglicht. Entstanden sind im Rahmen der Foto-Session in Berlin Anfang des Jahres mehr als 300 großartige Bilder.
Ein Foto fiel mir bei der ersten Sichtung sofort auf, obwohl der Fotograf es vorab schon als ungewolltes Nebenprodukt aussortiert hatte. Steffen war auf diesem Foto verschwommen, nur noch schemenhaft erkennbar. Zudem wurde er von einer Lichtreflexion verdeckt, die bei der Aufnahme entstand. Das Foto war in dieser Form also nicht geplant, sondern entstand eher zufällig. Das Bild fand quasi seinen eigenen, sehr persönlichen Weg. Es ist gegensätzlich, wie das Album in seiner musikalischen Gesamtheit auch und lässt dem Betrachter, bzw. dem Hörer "Raum" für Spekulationen.
Danke nochmals an Marek, Steffen, Thomas und seinen furzenden Hund für einen recht entspannten Nachmittag im winterlichen Berlin
Verrätst du uns deine aktuellen Top Ten Songs von De/Vision? sind da auch Songs aus dem neuen Album darunter?
Na unbedingt! Für mich gehört „13“ zu einem der besten Alben, welches die Band je gemacht hat. Einige neue Songs gehören definitiv in meine persönliche Top Ten.
01 - Synchronize
02 - Their World
03 - Gasoline
04 - Free from Cares
05 - Like A Sea Of Flames
06 - Endlose Träume
07 – Still Unknown
08 – I´m not dreaming of you
09 - Unputdownable
10 – Moments we share
De/Vision sind eine der wenigen Bands der Synthie Pop Szene, die seit fast dreißig Jahren Alben von großer Qualität schaffen. Was denkst du, sind die Gründe bzw. unterscheidet sie von den anderen?
Die Frisuren! Es sind eindeutig die Frisuren :D Nein … ehrlich, keine Ahnung. Sie sind als Künstler einfach glaubwürdig. Sie biedern sich nicht an oder bedienen szenetypische Klischees. So, wie sie sich auf der Bühne geben, sind sie auch privat. Sie sind keine Schauspieler, verzichten auf unnötige Gesten oder irgendein Image. Sie sind grundehrlich, sehr offen und hören zu. Dafür mag ich die beiden sehr.
Was wünschst du dir für die Zukunft von De/Vision?
Ich wünsche der Band vor allem auch weiterhin loyale Fans, die Musik kaufen und nicht irgendwo als mp3 aus dem Netz ziehen.
Danke für die Zeit und das Interview!
Gerne und sorry, dass es mal wieder länger gedauert hat.